Berlin, eine Liebeserklärung

Ich weiß noch genau, wann es war. Nein, nicht, wann ich das erste Mal in Berlin war. Das muss Anfang der 80er Jahre gewesen sein. Eine Gruppe junger Journalisten war zu einem dreitägigen Besuch nach Berlin eingeladen worden. Es war mein allererster Flug, mein erster Besuch in Berlin, und ich sah während einer Stadtrundfahrt zum ersten Mal die Mauer. Ich war erstaunt, schockiert, konnte es nicht fassen.

Kuppel Reichstagsgebäude
Kuppel Reichstagsgebäude

Der nächste Besuch war erst wieder nach der Wende. Eine spontane Reise, im November 1997. Ich durfte mit einem Bekannten mitfahren, der beruflich dort zu tun hatte. Wir kamen damals im „Künstlerheim Luise“ unter, einem kleinen Hotel an der Luisenstraße in der Nähe des Reichstags, im ehemaligen Ost-Teil der Stadt. Wobei das Künstlerheim mit Hotel nicht allzuviel zu tun hatte, wenn man davon absieht, dass man dort übernachten konnte. Für 35 D-Mark die Nacht. Sogar Frühstück gab es, wenn ich mich richtig erinnere, in einer Küche mit langen Holzbänken- und Tischen. Und vom Klo auf dem Gang konnte man durchs Fenster genau auf den Reichstag gucken.

Jedes Zimmer war und ist bis heute von einem Künstler gestaltet, und vom Zimmerpreis bekommt dieser einen kleinen Obolus. Damals stand in jedem Zimmer ein altmodischer Kachelofen, der wundervolle Wärme verströmte, das Gebäude war heruntergekommen und marode, aber es war urgemütlich. Die Stimmung in dieser Umbruchzeit nach der Wende war eine ganz seltsame: ein Festhalten an alten DDR-Gewohnheiten, Gestrandete, die irgendwie versuchten, sich nützlich zu machen und doch auf die Fürsorge von anderen angewiesen waren, Aufbruchstimmung, in den Straßen ein Gemisch aus verlassenen, verfallenden Häusern und solchen, die mit großem finanziellen Aufwand bereits renoviert waren. Auch das Künstlerheim wurde nach ein paar Jahren renoviert, und nach dem vorübergehenden Umzug in ein Gebäude in der Nähe der Weidendammer Brücke ist es inzwischen wieder an Ort und Stelle. Die Zimmer sind immer noch von Künstlern gestaltet, die Kachelöfen verschwunden, die Zimmerpreise gestiegen – aber trotzdem ist es nach wie vor originell und einen Besuch wert.

Zimmer im "Künstlerheim Luise"
Zimmer im „Künstlerheim Luise“

Diese Erlebnisse im Künstlerheim waren meine erste Begegnung mit dem Berlin nach der Wende und der Beginn einer großen Liebe.

Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich inzwischen in Berlin gewesen bin. Nie länger als vielleicht höchstens vier oder fünf Tage, aber die immer, immer vollgestopft mit Stadtbummeln, Theater, Oper, Konzerten und Museumsbesuchen. Es ist wie ein hektisches Aufsaugen, ein beinahe verzweifelter Versuch, so viele Eindrücke wie nur möglich mit nach Hause zu nehmen. Eine Zeitlang, als ich beruflich im Schwebezustand und noch nicht in meinem jetzigen Job angekommen war, versuchte ich, mich auf Stellen in Berlin zu bewerben. Eine hätte beinahe geklappt. Beinahe. Aus dem Traum, in Berlin zu leben und zu arbeiten, ist nie etwas geworden. Als ich endlich eine feste Stelle hatte, verschlug es mich nach Köln, und die Versorgung der Familie ging stets vor. Berlin blieb ein Traum, und ich versuche, die eigentümliche, fast euphorische Stimmung, die mich dort jedes Mal erfasst, so oft wie möglich zu erleben. Ich weiß bis heute nicht, ob es am Klima oder einfach an der Stadt liegt, dass ich mich dort so wohl und wie zu Hause fühle.

Aber was ist nun an Berlin so besonders?

Platz
Im Winter ist es nicht nur kalt – es ist bitter kalt. Es zieht. Weil Platz ist. Weil Berlin riesig ist. Weil man, wenn man die Arme ausbreitet, nirgends anstößt und sich fühlt, als könne man die ganze Welt umarmen. Im Sommer ist Berlin wie eine Filiale des Südens. Weil Platz ist, ist auch überall etwas los. Strandbars an der Spree, Straßencafés, Kunst, Kultur, Kitsch – das Leben findet draußen statt.

Lebensgefühl
Es gibt Mögliches und Unmögliches in Berlin, aber garantiert alles und für jeden etwas. Egal, ob es um Ausflugsziele, Ausstellungen, Autos oder einfach um Restaurants und Geschäfte geht. Kurz: es gibt keine Ausrede. Es gibt absolut keinen Grund, Berlin nicht zu mögen.

Kultur
Berlin verfügt alleine über drei Opernhäuser. Drei. Und alle sind Weltklasse. Und in allen dreien bin ich schon gewesen. In der Staatsoper hatte ich einmal eine preiswerte Karte für die „Tosca“ ergattert und saß oben im „Gepäcknetz“, wie man es nennt, die Bühne fast senkrecht unter mir. Staubige Luft herrschte dort oben, und ich kämpfte den ganzen Abend gegen Hustenreiz an, um den göttlichen Gesang unten auf der Bühne nicht zu stören. In der Deutschen Oper habe ich die „Butterfly“ gesehen. Angesichts der riesigen Bühne kam ich aus dem Staunen nicht heraus, mindestens doppelt oder dreimal so breit wie jede Bühne, die ich vorher kannte. In den Pausen der Aufführungen stehen draußen Brezelverkäufer, so dass man sich für den Rest des Abends problemlos mit einer Kleinigkeit stärken kann. Und nach dem Opern- oder Theaterabend werden überall schon die Zeitungen des nächsten Tags kostenlos angeboten. Ich habe dann immer das Gefühl, dass der Abend noch lange nicht vorbei ist, sondern gerade erst anfängt.
Theater gibt es in Berlin unzählige, natürlich bekannte Häuser wie das Maxim-Gorki-Thater, die Schaubühne, das Deutsche Theater, um nur einige zu nennen, aber auch viele kleine und kleinste Bühnen, die aus dem Boden schießen, in Hinterhöfen, in Kellern, die nach einiger Zeit wieder verschwinden und neuen Platz machen.
Kabarett fällt in Berlin auf fruchtbaren Boden, neigen doch die Berliner ohnehin zum Kommentieren und Herummeckern und Anblaffen. Kabarett bringt die Mentalität in eine etwas geschliffenere Form.
Und was wäre Berlin ohne seine Museen und Ausstellungen? Ich bin davon überzeugt, dass ich bisher bestenfalls einen Bruchteil gesehen habe, sporadisch, je nach Wetter, Laune und Begleitpersonen.

Offene Arme
Trotz Berliner Schnauze, trotz aller Probleme, die die Stadt hat, trotz Dauerbaustellen, ausgefallener S-Bahnen, geschäftstüchtiger Inder, die versuchen, einen in ihr Restaurant zu ziehen – ich fühle mich immer willkommen. Immer. Jeder nimmt mich so, wie ich bin. Vergreife ich mich im Ton, wird zurückgeschnauzt. Oder umgekehrt. Und dann ist wieder gut. Keiner ist beleidigt. Ich bin ein Teil von Berlin, auch wenn ich nur zu Besuch bin. Ich habe zu jeder Tageszeit mein Ohr am Puls der Stadt, und bin ich am einen Ende, weiß ich ganz sicher, dass ich gerade am anderen Ende etwas ungeheuer Interessantes verpasse. Und dass es bestimmt jemanden gibt, der mich deswegen bedauern wird. Berlin ist Herz.

Aber – lange Rede, kurzer Sinn: hier meine persönlichen Berlin-Highlights aus vielen, vielen Besuchen.

Nofretete

Nofretete_Neues_Museum, Foto von Philip Pikart, Quelle: Wikipedia
Nofretete_Neues_Museum, Foto von Philip Pikart, Quelle: Wikipedia

Die Büste der Nofretete ist eines der bekanntesten Kunstwerke der Welt. Sie wurde 1912 bei Ausgrabungen in Ägypten entdeckt und 1913 nach Deutschland gebracht. Sie war früher im Ägyptischen Museum gegenüber von Schloss Charlottenburg (Östlicher Stülerbau) ausgestellt, vor einigen Jahren ist sie umgezogen und heute auf der Museumsinsel im Neuen Museum zu finden. Für mich ist die Büste der Nofretete eines der schönsten Kunstwerke, die es gibt. Wenn nicht das schönste und vollkommenste überhaupt.

Das Reichstagsgebäude
Früher konnte man die Kuppel noch einfach so entern – nach ausgiebigem Schlangestehen vor dem Eingang, versteht sich. Wer früh kam, brauchte nicht so lange zu warten. Die Besichtigung der Kuppel ist heute nur noch mit Voranmeldung möglich, leider. Das Gebäude gehört aus zwei Gründen zu meinen Highlights. Zum einen ist der Blick oben aus der Kuppel bzw. von der Dachterrasse einmalig: man sieht nach allen Seiten über Berlin, und Berlin dehnt sich bis zum Horizont. Auf allen Seiten, egal, wohin man sieht. Hier bekommt der Begriff „Platz“ noch einmal eine andere Bedeutung. Der zweite Grund ist eine der prägendsten Erinnerungen des Berlin-Besuchs Anfang der 80er Jahre (siehe oben). Unser Journalistentrupp war am letzten Tag im Reichstagsgebäude zum Mittagessen eingeladen, und es wurde serviert in einem der Türme, der gleich neben dem damals noch vorhandenen sogenannten „Todesstreifen“ lag. Man hatte von oben einen Überblick über die gesamten Grenzanlagen, die unmittelbar an das Reichstagsgebäude grenzten. Grenzsoldaten, Hunde, Stacheldraht, breiten Sandstreifen – gruselig, bedrückend, nicht zu begreifen.

„Eastern Comfort“

Blick aus der "Eastern Comfort" auf die Oberbaumbrücke
Blick aus der „Eastern Comfort“ auf die Oberbaumbrücke

Neben dem Künstlerheim Luise, das den Hippie-Charme der frühen Anfangsjahre leider eingebüßt hat und erwachsen geworden ist, ist das Hotelschiff „Eastern Comfort“ an der East Side Gallery bisher mein schönstes Quartier in Berlin gewesen. Angereist mit einer Freundin zu einem Konzert in der gleich gegenüberliegenden O2-Arena, buchten wir eine Doppelkabine, 1. Klasse. Die sollte man auch nehmen, wenn man Platz haben möchte. Die Kabinen der 2. Klasse sind sehr viel kleiner. Frühstück hatten wir keins gebucht, aber Kaffee und Tee gibt es für alle Gäste umsonst, die Betreuung ist großartig, die Atmosphäre völlig ungezwungen. Auf jede noch so ausgefallene Frage hat man eine Antwort – oder bemüht sich redlich, sie zu finden. In der Morgensonne draußen auf dem kleinen Freisitz gemütlich einen Kaffee trinken, mit Blick auf die Spree und die Oberbaumbrücke – ich habe selten entspanntere und schönere Momente erlebt.

Die Distel
Die „Distel“ ist das ehemalige Ost-Kabarett, das als Gegenstück zu den Kabarettbühnen im Westen der Stadt 1953 gegründet wurde. Heute ist es das größte Ensemble-Kabarett Deutschlands. Angesiedelt ist die Bühne im Vorderhaus des Admiralspalastes direkt am Bahnhof Friedrichstraße. Der Zuschauerraum nach wie vor mit ausgeblichenen Plüschsesseln, was einen ganz eigenen Charme hat. In den Pausen drängen sich vor der kleinen Getränke-Theke die Zuschauer, und es ist eine Kunst, NICHT mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Hochaktuell, hochpolitisch, hervorragende Künstler, jedes Programm eine Wucht. Als ich zum ersten Mal dort war, bestand das Publikum noch deutlich aus West- und Ostdeutschen – die an unterschiedlichen Stellen des Programms lachten. Heute hat es sich angenähert, nicht allein deswegen, weil namhafte (west-)deutsche Autoren inzwischen zum Stamm gehören. Im Kabarett ist schon zusammengwachsen, was zusammengehört.

Flughafen Tempelhof

Tempelhofer Feld heute
Tempelhofer Feld heute

Das Tempelhofer Feld hat eine lange und unruhige Geschichte. Jahrhunderte lang Ackerfläche, Parade- und Exerzierplatz, Kasernenanlagen und Pferderennbahn – die Geschichte des Flughafens Tempelhof begann erst 1922, das Flughafengebäude entstand in den Jahren 1936 bis 1941 und ist bis heute mit 1,5 Kilometern Länge des größte zusammenhängende Gebäude der Welt. Tempelhof ist vor allem als innerstädtischer Flughafen der Luftbrücke in Erinnerung, und in der Tat steht vor dem Haupteingang des Gebäudes das Luftbrückendenkmal, das die Berliner „Hungerkralle“ nennen. Im Oktober 2008 wurde der Flughafen Tempelhof für den Flugverkehr geschlossen. Und zum Glück (ich hoffe, das bleibt so) ist die riesige Fläche nicht gleich wieder bebaut worden. Das Flugfeld, die Landebahnen, das Gebäude – alles ist noch da. Auf dem Tempelhofer Feld gibt es heute Naturschutzareale, tummeln sich Jogger, Radfahrer, Kinder, die Drachen steigen lassen, am Rande sind Sportanlagen entstanden, Grillplätze, im Hangar werden Konzerte veranstaltet – das Gelände ist ein riesiger innerstädtischer Freizeitpark, in Händen der Berliner, und so soll es bleiben. Es gibt wohl kaum ein kurioseres Freizeitgelände als ehemalige Landebahnen.

Holocaust-Mahnmal
Richtig heißt das Monument eigentlich „Denkmal für die ermordeten Juden Europas„, und diese sperrige Bezeichnung scheint zu dem riesigen Feld voller dunkler Beton-Stelen zu passen. Berliner Freunde hatten während der Bauzeit große Bedenken. Befürchtungen, das Mahnmal müsste nun rund um die Uhr bewacht und vor rechtsradikalen Schmierereien oder Anschlägen geschützt werden. Ich weiß nicht, wie gut es bewacht wird. Ich weiß nur, dass es vereinzelte Aufpasser gibt, die allzu vorwitzige Besucher ermahnen und daran erinnern, dass es sich um ein Mahnmal handelt.

Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Als es errichtet wurde, konnte ich mir nicht so recht vorstellen, wie sich der Architekt Peter Eisenman die Wirkung vorgestellt hatte. Ich nahm an, die Beton-Stelen seien stellvertretend für einzelne Menschen oder Menschengruppen gedacht. Ganz falsch. Wie genial dieses Mahnmal konzipiert und wie frappierend die Wirkung ist, habe ich erst erfahren, als ich es zum ersten Mal besuchte. Meine Eindrücke habe ich auch in meinem Buch verarbeitet. Und ich stehe nicht alleine da: so oder ähnlich ist es mir von allen Freunden und Bekannten geschildert worden, die hineingegangen sind:

Juan sah Kitty einen Moment unschlüssig an, dann folgte er den Pflastersteinen zwischen den Betonstelen, es ging leicht abwärts. Um ihn herum schienen die Steine in die Höhe zu wachsen. Juan blieb nach zwanzig Metern einen Moment stehen und sah sich um. Eine Familie war zugleich mit ihm hineingegangen, er konnte sie nicht mehr sehen oder hören. Der Straßenlärm verebbte, es wurde immer stiller. Unlustig schlenderte er weiter. Juan spähte nach jeder Stele nach rechts und nach links, aber sah immer nur vereinzelte Menschen um die Ecken huschen, nahm sie schemenhaft wahr, und sie verschwanden im Nichts. Er ging weiter, die Geräusche vom Straßenlärm wurden vollständig verschluckt, und selbst die Sonne war zwischen den hohen Stelen nicht mehr zu sehen. Menschen tauchten kurz auf und verschwanden wieder, er fühlte sich, als ob er von der Außenwelt abgeschnitten wäre. Juan blieb verblüfft stehen und horchte. Irgendwo Stimmen, Kinder offenbar. Er hörte sie wie von weit weg, obwohl sie ganz in der Nähe sein mussten. Das Gefühl von Verlust, und von aller menschlichen Zuwendung abgeschnitten zu sein, wurde fast übermächtig. Er wusste genau, wie es war, vertraute Menschen ganz plötzlich zu verlieren, nichts über ihr Schicksal zu wissen. Bilder in seinem Kopf tauchten auf, von unbeschwerten Tagen, aber die riesigen, dunklen Steine um ihn herum erstickten sie. Juan keuchte. Er drehte sich ein paarmal um die eigene Achse und hatte vollständig die Orientierung verloren. Beklemmung. Grün. Bäume. Er musste sich an den Bäumen orientieren. Die waren vorne an der Straße. Er hastete ein Stück vorwärts, dorthin, wo der Weg anstieg, und konnte endlich weiter vorne einige Baumkronen ausmachen. Dort musste Kitty sein. Dann fühlte er auch wieder die Sonne auf seinem Kopf und endlich sah er Kitty vorne auf dem Stein sitzen, wie sie es versprochen hatte.
Er setzte sich neben sie, legte ihr einen Arm um die Schultern und zog sie an sich. Ihren warmen Körper zu spüren hatte etwas Tröstendes und tat unendlich gut. Juan sagte nichts von der Angst, von wiedergekehrten Erinnerungen, von dem Gefühl des Verlustes, des Ausgeliefertseins, dass er mitten zwischen den Stelen plötzlich empfunden hatte. Und wie entsetzlich mussten sich erst die Menschen gefühlt haben, für die dieses Denkmal errichtet worden war. Juan schauderte. Kitty sah ihn von der Seite an. „Ich weiß“, sagte sie leise, „es ging mir genauso, als ich zum ersten Mal dort drin war. Eindrucksvoll, nicht wahr?“ Juan nickte und gab ihr einen Kuss. „Eindrucksvoll. Und sehr bedrückend. Und trotzdem danke“, sagte er. Kitty nickte stumm.

Café und Restaurant „Die Eins“
In einem Eckhaus an der Wilhelmstraße, einen Steinwurf vom Brandenburger Tor und dem Reichstagsgebäude entfernt, liegt das ARD-Hauptstadtstudio. Von hier werden alle Nachrichten der ARD aus Berlin gesendet, und jedem ist sicher aus der Tagesschau das Bild vertraut, wenn Reporter draußen mit dem Reichstagsgebäude im Rücken kommentieren und berichten. Dann stehen sie immer auf der Brücke über die Spree gleich neben dem Gebäude.

Café und Restaurant "Die Eins"
Café und Restaurant „Die Eins“

Unten im Haus, auf der Seite des Spree-Ufers, befindet sich das Café und Restaurant „Die Eins„, frequentiert von Journalisten wie Politikern und Touristen. Letztere eher weniger, weil das Restaurant doch ein wenig abseits der Touristenrouten liegt. Wie es sich gehört für eine Gaststätte, die Menschen mit nicht alltäglichen Arbeitszeiten verköstigt, gibt es von 9.00 bis 24.00 Uhr Frühstück. Und nicht nur schlichte Brötchen, sondern kleine, sättigende und köstliche Mahlzeiten, alle benannt nach einer ARD-Fernsehsendung. Einzelheiten bitte der Frühstückskarte entnehmen. Bei den Hauptgerichten sind für hungrige Touristen die beiden Schnitzel „Wiener Art“ mit Bratkartoffeln sehr zu empfehlen. Riesige, aber hauchdünne Schnitzel und knusprige Kartoffeln – saulecker.
Im Sommer sitzt man draußen, entweder gleich vor dem Restaurant, lieber aber auf der anderen Straßenseite, wo entlang der Spree zahlreiche Tische und gemütliche Korbsessel aufgestellt sind. Man lässt die Ausflugsschiffe an sich vorbeiziehen, schmaust in Ruhe, liest Zeitung, trinkt Kaffee, und mit etwas Glück nimmt irgendwann an einem der Nachbartische ein bekannter Politiker oder Journalist Platz.

Achtung, Update (Mai 2015)! Inzwischen hat in der „Eins“ der Besitzer gewechselt. Die gemütlichen Korbsessel draußen sind verschwunden, stattdessen Möbel-Einheits-Brei mit Klappstühlen und pflegeleichten Tischen. Das Essen ist noch genau so gut, aber die witzige Frühstückskarte gibt es nicht mehr, und Frühstück ohnehin nur noch bis 12 Uhr. Und überhaupt ist das jetzt eher so ein schnieker Laden wie viele andere auch. Ich kann es nicht mehr uneingeschränkt empfehlen, leider. :-(

Pergamonmuseum
Ich glaube, das ist mein Lieblingsmuseum. Ich schreibe deswegen „ich glaube“, weil ich noch längst nicht alle Museen in Berlin gesehen habe. Das Pergamonmuseum ist… nun, riesig. Wie alles in Berlin. Und auch hier ist Platz. Hat man doch um den Pergamonaltar, der zwischen 1876 und 1886 in der kleinasiatischen Stadt Pergamon ausgegraben und in Berlin wieder zusammengesetzt wurde, ein Museum einfach drum herum gebaut. Auf der Museumsinsel, die ja bekanntermaßen noch weitere bedeutende Bauten aufweist. Durch die gesammelten Altertümer des Pergamonmuseums zu streifen bedeutet, in eine andere Zeit einzutauchen, in Kulturen, die längst vergangen sind. Alleine das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße – ungeheuer eindrucksvoll, sowohl künstlerisch als auch wiederum in den Ausmaßen.

Sony-Center und Potsdamer Platz
Die neue Mitte von Berlin. Bis zur Wende eine riesige Brachfläche, die niemand betreten konnte und durfte, nach der Wende ruck-zuck zugebaut. Ich erinnere mich, dass ich mich an die Architektur erst gewöhnen musste, und noch heute, nach unzähligen Besuchen, verliere ich in den Häuserschluchten immer noch schnell die Orientierung. Dennoch ist das Gebäudeensemble auf jeden Fall einen Besuch wert. Ob man vor dem Hotel Ritz Carlton auf Promis lauert, die möglicherweise dort wohnen, das Zeltdach des Sony-Centers bewundert, das Filmmuseum besucht (lohnt sich übrigens auch!) oder sich einfach nur zum Aufwärmen an einem kalten Wintertag in eine der zahlreichen Gaststätten setzt – es ist immer etwas los, immer etwas zu sehen und auch immer etwas zu fotografieren. Das Zeltdach des Sony-Centers wird abends bunt beleuchtet und ist für Hobby-Fotografen eine Herausforderung. Die eine oder andere gute Aufnahme ist mir im Laufe der Zeit gelungen.

Damit bin ich (zunächst) mit meinen Highlights an einem vorläufigen Ende angekommen. Es gibt so unglaublich viel zu erzählen und zu beschreiben – und Erlebnisse, die man einfach nicht beschreiben kann. Man muss Berlin selbst sehen.

Hier noch ein paar Eindrücke in einer Bildergalerie. Viel Spaß!