Claudia Sewig:
Bernhard Grzimek

Bildschirmfoto 2017-04-05 um 21.08.26

Claudia Sewig:
Bernhard Grzimek.
Der Mann, der die Tiere liebte.

Die Gründung des ersten deutschen Nationalparks im Bayerischen Wald, das Bewusstsein für Umweltthemen, der erste Oscar für einen deutschen Dokumentarfilm, die Entwicklung des Naturschutzes in Deutschland, der Begriff „KZ-Hühner“, der Kampf gegen das Abschlachten von Babyrobben in Kanada, enge Zusammenarbeit mit den führenden Wissenschaftlern seiner Zeit, Konrad Lorenz, Otto König und nicht zuletzt Horst Stern – all das ist untrennbar verknüpft vor allem mit einem Namen: Bernhard Grzimek. Er war wohl eine der prägendsten Figuren der 60er, 70er Jahre. Seine Sendung „Ein Platz für Tiere“ war die erste, die ich im Abendprogramm sehen durfte, immer gespannt, welches exotische Wesen der Direktor des Frankfurter Zoos wohl diesmal mitbringen würde.

Jetzt endlich habe ich sowohl mit Vergnügen als auch Faszination die Biografie von Claudia Sewig gelesen, eine nahezu minutiös erscheinende Wiedergabe eines überreichen Lebens. Grzimek war beileibe nicht der freundliche Märchenonkel, als den ich ihn in meiner kindlichen Erinnerung bewahrt habe, er war ein unermüdlicher, unbequemer, kompromissloser und zäher Streiter für die Rechte der wildlebenden Tiere, der sich nicht einmal scheute, auch mit afrikanischen Diktatoren hart zu verhandeln, wenn es der Sache diente.

Als Person war er nicht unumstritten. Er verschwieg gerne, was seiner Reputation hätte schaden können, und sein Privatleben war durchaus turbulent. Dennoch verzeiht man ihm seine ganzen Eigenheiten und Fehler, denn er hat wahrhaftig im Naturschutz unglaubliche Dinge bewegt. Dafür muss man ihm heute noch dankbar sein.

Wer eine Biografie lesen möchte, die einem Abenteuerroman nahe kommt, und gleichzeitig auch einen Abriss der deutschen Fernseh- und auch politischen Geschichte zwischen den 60er und 80er Jahren aus der Sicht des Natur- und Tierschutzes, dem lege ich dieses Buch unbedingt ans Herz.

FullSizeRender
Wiedergefunden: ich war damals offenbar ein großer Fan. :-)

Kirsten Wendt und Marcus Hünnebeck:
Mein Nachbar und ich

Nachbarn, die sich nicht ausstehen können, Kinder, die unzertrennlich sind, Hunde im Tierheim, hellsehende Nachbarinnen, ein Kita-Streik, böswillige Cousinen, ein filmreifer Auftritt – das sind die Zutaten, aus denen Kirsten Wendt und Marcus Hünnebeck ihren köstlichen Liebesroman gezaubert haben. Was für eine Idee, die spannenden Entwicklungen abwechselnd aus der Sicht der Protagonisten Vicky und Simon zu erzählen! Die beiden Autoren haben es wunderbar hinbekommen, die Tonlage des gesamten Buches wie aus einem Guss klingen zu lassen. Besonders überzeugend: die Schritte vom „sich-gegenseitig-nicht-ausstehen-können“ bis zu ersten Verabredungen, Berührungen, Kuss – nachvollziehbar, glaubwürdig und rettungslos romantisch. Ein ebenso humorvolles wie kurzweiliges Lesevergnügen.

„Mein Nachbar und ich“ bei Amazon

Elke Bergsma: Fluchträume

Elke Bergsma: Fluchträume„Ostfriesen morden nie einfach, Hasenkrug.“

Nein, das tun sie ganz gewiss nicht, im Gegenteil. Ostfriesen sind stur, mundfaul, aber raffiniert, und machen Kommissar Büttner, der sich eigentlich auf seinen bevorstehenden Spanien-Urlaub freut, kurz vorher noch mit zwei seltsamen Fällen völlig kirre. Dazu ist gleich noch die halbe Polizeimannschaft wegen Magen-Darm-Grippe ausgefallen und Büttner und sein Assistent Hasen… äh… Hasenkrug müssen alles alleine stemmen. Sie kommen erst nach und nach dahinter, was es mit dem Entführungsfall einerseits und dem Fenstersturz mit tödlichem Ausgang andererseits wirklich auf sich hat. An dieser Stelle wird natürlich nichts verraten, nur so viel: Elke Bergsma ist wieder ein unterhaltsamer, spannender Krimi gelungen, der wie immer in ihrer Heimat Ostfriesland spielt. Liebenswerte Käuze, überdrehte Schüler, nervige Eltern, betrogene Frauen en gros – es bleiben keine Wünsche offen. Leseempfehlung: eine Kanne Ostfriesentee (mit oder ohne Rum) bereitstellen und schmökern.

Sascha Bors:
Gestern Nacht im Taxi

Sascha Bors: Gestern Nacht im Taxi„Wem vertrauen wir, obwohl wir ihn nicht kennen?“
(Sherlock, Staffel 1, Folge 1)

Was man schon immer über Taxifahrer wissen wollte – in diesem Buch erfährt man es! Ich habe schon öfters im Blog von Sascha Bors (http://gestern-nacht-im-taxi.de) herumgestöbert und mich riesig gefreut, seine Geschichten aus meiner Lieblingsstadt Berlin rund um Taxi, Fahrer und Gäste nun kompakt als Buch lesen zu können. Auf Sascha aufmerksam geworden bin ich auf Twitter (@sashbeinacht), denn er schreibt nicht nur in seinem Blog unterhaltsam, sondern spielt ohnehin gern mit Worten herum, er ist unglaublich witzig und hat das Herz am rechten Fleck.

Ich wurde vom Buch nicht enttäuscht: Sascha Bors hat einen lockeren, aber ungemein treffenden Schreibstil, teilweise hab ich beim Lesen über seine Erlebnisse laut gelacht. Andere Stellen wiederum machten mich nachdenklich, denn obwohl ich, wie wohl jeder, schon oft im Taxi mitgefahren bin, hab ich mir über diesen Beruf nie viele Gedanken gemacht. Das hat sich geändert, und zwar grundlegend. Meine Hochachtung vor einem anstrengenden und oftmals schwierigen Beruf. Hoher Unterhaltungswert, uneingeschränkte Lese- und Kaufempfehlung!

Sterling North:
Rascal, der Waschbär

Ein Buch, das ich seit meiner Kindheit besitze und liebe, auch wenn ich es seit Jahrzehnten nicht mehr gelesen hatte. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, es noch einmal hervorzuholen.

Sterling North (4. November 1906 – 22. Dezember 1974) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er stammt aus dem Bundesstaat Wisconsin und ist sehr naturverbunden aufgewachsen. Als Kind hielt er unzählige Tiere und streifte frei und ungebunden durch die Wälder rund um seine Heimatstadt. „Rascal, der Waschbär“ ist sicherlich sein bekanntestes und auch schönstes Buch – aber nicht nur für Kinder.

Man liest es als Erwachsener ganz anders. Die Geschichte spielt um die Zeit des Ersten Weltkriegs, ist also inzwischen hundert Jahre alt. Stand für mich als Kind noch die Geschichte des Jungen und des Waschbären im Mittelpunkt, den er im Wald findet und aufzieht, so fasziniert mich heute auch die Schilderung der Natur und der damaligen Lebensumstände in Wisconsin. Mit meist nur wenigen, aber treffenden Worten und Sätzen, mit denen er das tägliche Leben und menschliche und tierische Charaktere schildert, vermag Sterling North in eine andere Welt zu entführen. In die Welt, die auch in einer Kleinstadt in Wisconsin nicht frei von Problemen war, aber in der die Menschen ruhiger, einvernehmlicher, freundlicher und naturverbundener lebten. Niemand ballert ohne Grund mit dem Gewehr herum (außer, er will den Hühnerstall gegen den möglichen Übergriff eines Waschbären verteidigen), und niemand betreibt Raubbau an der unberührten Natur, sondern entnimmt ihr nur, was er unmittelbar zum Leben braucht.

Inzwischen gibt es Waschbären nicht nur in Nord-Amerika, sondern durch verschiedene Umstände auch in Europa, und die kleinen Bären breiten sich rasant aus. Das war der Anlass, das Buch noch einmal hervorzuholen.

Das Buch ist leider (mit anderem Umschlagbild) nur noch antiquarisch zu bekommen, aber man wird im Internet fündig, daher unbedingte Leseempfehlung!

Ein echter Rascal im Garten

 

Jessica Wagener: Narbenherz

Narbenherz

Vernarbt, verletzt, verängstigt – so muss man sich die junge Frau Anfang 30 vorstellen, die auf Reisen geht, um alles zu vergessen: Die kräftezehrende und schmerzhafte Krebsbehandlung, die Komplikationen und weitere gesundheitliche und menschliche Katastrophen. Ihre Reiseziele sind Orte, die sie schon immer einmal sehen wollte. Und die sie auf jeden Fall gesehen haben will, falls der Krebs wiederkommt. Weil das Leben so kurz ist. Weil sie herausfinden will und muss, was, außer Narben und Verletzungen und Ängsten, von ihr selbst übrig geblieben ist. Ein halbes Jahr lang nimmt sie eine Auszeit, reist in die USA, nach Brasilien, Argentinien, Südafrika, findet Menschen, findet Landschaften, Gesellschaft, Einsamkeit, Schmutz, Schönheit – und schließlich sich selbst. Und lernt: Verlässlich im Leben sind nur der eigene Mut und das Vertrauen in die eigene Stärke. Manches aus ihrem alten Leben bleibt ungelöst, mit der Rückkehr nach Hamburg sind alte Probleme wieder da, aber im neuen Licht.
Ein Buch, das wunderbar geschrieben ist, in einer ganz eigenen, persönlichen, ausdrucksvollen und treffenden Sprache, manchmal lustig, oft berührend und immer ehrlich. Danke an die Autorin, die uns Leser mitnimmt auf eine Reise um die Welt und in ihr eigenes Seelenleben.

Ein Buch, das ich uneingeschränkt allen empfehle, die auf der Suche sind.
Und auch sonst allen.

Homepage der Autorin: jessyfromtheblog.wordpress.com

Im falschen Film (2)

Erfreuliche Nachrichten für alle Vanessa Mansini-Fans: „Im falschen Film“ geht weiter! Am 15. Mai 2014 soll die zweite Staffel erscheinen.

Eine kurze Beschreibung der ersten Staffel hatte ich schon im Januar veröffentlicht, weitere Infos zur ersten und zweiten Staffel und über den Autor, der hinter dem Pseudonym Vanessa Mansini steckt, findet Ihr hier: http://michaelmeisheit.de/im-falschen-film/.

Zum Start der zweiten Staffel gibt es ein Gewinnspiel, das es in sich hat: wann hat man schon die Möglichkeit, sich vom Autor höchstselbst alle Orte zeigen zu lassen, an denen das Buch spielt? Denn das ist einer der zahlreichen attraktiven Preise. Einzelheiten zum Gewinnspiel sind auf dieser Seite zu finden: Gewinnspiel

Elke Bergsma: Puppenblut

Elke Bergsma: Puppenblut
Elke Bergsma: Puppenblut

Eine intakte Dorfgemeinschaft – das sind die Einwohner von Loppersum, in dem Elke Bergsmas neuester Krimi Puppenblut spielt. Ein Dorfgemeinschaft, wie man sie sich vorstellt: man kennt sich seit Jahrzehnten, sieht die Kinder aufwachsen und zu eigenständigen Menschen werden, sieht die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen und akzeptiert sie, oder sieht großzügig darüber hinweg. Und: man teilt stillschweigend düstere Geheimnisse.

Denn auch darum geht es in Elke Bergsmas neuestem Buch: Ein Todesfall, der elf Jahre zurück liegt und plötzlich wieder die Dorfgemeinschaft durcheinander bringt, ein neuer Mord, zwei verschwundene Personen – und mittendrin Kommissar Büttner und sein Assistent Hasen… äh… dings… Hasenkrug, die die Fäden entwirren wollen. Was nicht einfach ist. Denn üble Typen bevölkern das Ermittlungsgebiet in und rund um Loppersum und bis nach Hamburg, und auch eine Puppenstube spielt eine makabre Rolle. Wie gehört das alles zusammen?

Ein schwieriger Job für Kommissar Büttner, der sich nicht nur einem komplizierten Kriminalfall, sondern auch Buttercreme-Verlockungen in Aafke Mudders Krämerladen ausgesetzt sieht.

Ein großes Lesevergnügen, in dem nicht nur Elke Bergsma den verwirrenden Fall gewohnt gekonnt auflöst, sondern auch die kauzigen ostfriesischen Typen ihrer Bücher wieder reichlich Auftritte haben, die dem Krimi über den Lokalkolorit hinaus die gewisse Würze geben.

Martin Sixsmith: Philomena

Klappentext: Philomena Lee ist selbst fast noch ein Kind, als sie hochschwanger im Kloster Zuflucht sucht. Doch statt Barmherzigkeit erwartet sie dort ein unerbittliches System. Denn die Nonnen von Roscrea verkaufen jedes uneheliche Kind in die USA. Mit drei Jahren wird auch Philomenas Sohn Anthony nach Amerika verschickt. Mutter und Sohn können einander nicht vergessen, aber erst 50 Jahre später erfährt Philomena mit Hilfe des Journalisten Martin Sixsmith, was aus Anthony geworden ist.

Wer den Film erst noch sehen und sich überraschen lassen möchte, sollte jetzt nicht weiterlesen!

Diese wahre Geschichte aus dem Irland der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist mit der großartigen Judi Dench in der Hauptrolle verfilmt worden und läuft gerade (Stand: März 2014) in den Kinos. Das Thema Adoption, um nicht zu sagen, von insbesondere der katholischen Kirche vermittelte Zwangsadoptionen, ist nicht grundsätzlich neu, das gab es ebenso in anderen Ländern (Spanien, staatlich organisiert in der DDR). Überall versuchen auch heute noch Kinder und Eltern einander wiederzufinden. Philomena Lee steht stellvertretend für viele dieser Mütter, denen man ihre Kinder weggenommen hat, und gleichzeitig ist ihr Fall etwas Besonderes.

Eigentlich mag ich diese „Bücher zum Film“ nicht, in denen die Handlung noch einmal nacherzählt wird, oder die mit einem aktuellen Cover neu herausgebracht werden, weil gerade eine Verfilmung stattgefunden hat. Meist ist es umgekehrt: ich sehe mir die Verfilmung eines Buchs an, das ich schon kenne. Für mich haben diese „Bücher zum Film“ immer ein bisschen den Beigeschmack, dass manche Menschen offenbar überhaupt erst ein Buch lesen, wenn sie im Kino einen Film gesehen haben, der ihnen gefallen hat.

In diesem Fall ist es jedoch anders. Im Film geht es um die Suche von Philomena nach ihrem Sohn – das sorgfältig recherchierte Buch „Philomena“ von Martin Sixsmith erzählt jedoch, wie es dem Sohn ergangen ist, also genau den Teil der Geschichte, den der Film zum größten Teil ausspart. Martin Sixsmith ist selbst der Journalist, der Philomena auf der Suche nach ihrem Sohn Anthony begleitet hat. Das verspricht zum einen eine gewisse Gründlichkeit in der Recherche, aber auch Sachlichkeit, mit der er sich dem Thema nähert.

Man langweilt sich keine Sekunde. Martin Sixsmith schreibt sehr interessant und unterhaltsam, er hat eine Fülle von Informationen über das Leben von Anthony (der in den USA nach seiner Adoption Michael Hess hieß) zusammengetragen. Sixsmith war auf Interviews mit Familie, Freunden und Kollegen und weitere Quellen angewiesen, um die Geschichte zu rekonstruieren, denn Anthony ist 1995 an der Immunschwächekrankheit Aids gestorben, bevor seine Mutter ihn wiederfinden konnte.

Ein wenig heikel finde ich, dass er Gedanken und Gefühle von Anthony wiedergibt, die er unmöglich wissen kann und die er vermutlich aus den Aussagen seiner Interviewpartner nachempfunden hat. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass er sich im Rahmen des Verantwortbaren bewegt. Und gerade die genauen Schilderungen von Anthonys Gedanken und Gefühlen machen das Buch so lebendig. Ein weiteres Plus und die Abrundung ist der quasi nebenbei stattfindende geschichtliche Exkurs in die gesellschaftlichen Umstände im Irland der 50er Jahre. Ebenso gibt das Buch einen Rückblick auf die ersten Aids-Fälle und den Umgang bzw. Nicht-Umgang der amerikanischen Politik mit der neuen und furchteinflößenden Krankheit.

André Aleman: Wenn das Gehirn älter wird

André Aleman: Wenn das Gehirn älter wird
André Aleman: Wenn das Gehirn älter wird

Man geht in den anderen Raum, und kaum dort angekommen, weiß man nicht mehr, was man dort tun wollte. Oder man schreibt Sachen auf den Einkaufszettel und vergisst trotzdem, sie mitzubringen. Der Name eines weltbekannten Schauspielers fällt einem plötzlich nicht mehr ein, obwohl man das Gesicht deutlich vor seinem inneren Auge sieht. Oder ein bestimmter Film, ein Buch, ein Song, ein Komponist, ein Politiker. Man bringt Jahreszahlen, Erinnerungen und Ereignisse durcheinander. Verlegt seine Brille, seinen Hausschlüssel. Dinge behalten oder gar neu lernen fällt immer schwerer und dauert länger.

Das alles sind Fehlleistungen des Gehirns, die auch jungen Menschen passieren, aber die sich häufen, wenn man älter wird. Mit „älter“ meine ich: jenseits der fünfzig. Das ist auch das Alter, in dem man anfängt, sich Sorgen zu machen. Ist das schon beginnende Demenz? Oder gar Alzheimer? Bin ich schon alt, nimmt mich niemand mehr ernst?

In der Zeitung habe ich von diesem Buch gelesen und es mir aus Neugier gekauft. Ich erwartete Aufschluss darüber, ob meine Beobachtungen an mir selbst und anderen zutreffen, und vor allem: ob ich mir Sorgen machen muss.

Eines vorweg: Sorgen unnötig, zumindest wenn man nicht eine ausgeprägte genetische Disposition für Alzheimer und Co. mitbringt. André Aleman erzählt fast im Plauderton über die Funktionen des Gehirns, und wie sie sich im Laufe des Lebens verändern. Und nicht nur zum Schlechten! Wenn ein älterer Mensch mehr Mühe aufwenden muss, um neue Begriffe oder Tätigkeiten zu lernen, Entscheidungen zu treffen, so hat das (auf einen ganz einfachen Nenner gebracht) einfach den Grund, dass er länger braucht, um abzuwägen. Um eine Entscheidung zu treffen, geht das Gehirn alle Erfahrungen und Gelerntes des bisherigen Lebens durch, und das dauert halt länger als bei einem jungen Menschen. Vergleichbar etwa mit einem Rechner, dessen Festplatte schon ziemlich voll ist, der wird auch langsamer. Aber die Wahrscheinlichkeit, unter all den gespeicherten Dateien diejenige zu finden, die in der konkreten Situation die richtige ist, ist sehr viel größer. Kurz gesagt: junge Menschen handeln impulsiver, ältere Menschen weiser. :-)

Die wichtigsten Erkenntnisse eines jeden Kapitels fasst Aleman am Schluss immer zusammen. Sehr praktisch für ältere Menschen, die sich dann nur noch diese Merksätze einprägen müssen. :-) Und als Fazit des Buches lassen sich vor allem drei Dinge herausstellen, die dazu beitragen, dass man auch bis ins hohe Alter geistig aktiv und zurechnungsfähig bleiben kann:

  • Regelmäßige Bewegung, dreimal die Woche eine halbe Stunde. Das kann ein Spaziergang im schnellen Tempo sein, Schwimmen, Radfahren, sogar Gymnastik, Pilates, Dehnübungen. Hauptsache: Bewegung und leicht ins Schwitzen geraten.
  • Das Gehirn beschäftigen. Bücher lesen. Eine neue Sprache lernen. Ins Museum gehen. Immer wieder Dinge tun, die man noch nicht getan hat. Malen, musizieren, eben alles, was den Kopf beschäftigt.
  • Gute, maßvolle Ernährung und reichlich trinken.
  • Wer mag: Religion und Spiritualität. Religiöse Menschen bleiben bis ins hohe Alter erstaunlich fit.

André Adelman ist Professor für Neuropsychologie an der Universität Groningen und ein international renommierter Hirnforscher.