Zeit spielt keine Rolle

Hintergrundwissen „Zeit spielt keine Rolle“

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Wer sind die Hauptfiguren des Buchs, und warum hast Du sie ausgesucht?
Nun, man ist ja immer dankbar für interessante oder gar herausragende Protagonisten. Mein Lieblingsmotiv, die weltberühmte Gesangsgruppe mit Sängern aus vier Nationen, alle in den besten Jahren und mit sehr unterschiedlichen Charakteren, gut aussehend und in der Damenwelt begehrt, sind als Protagonisten eines Romans geradezu unschlagbar, weil Variationen in allen Richtungen möglich sind.

Du hast sie auf eine Zeitreise geschickt.
Ja, genau. Ich weiß nicht mehr, wann ich diese Idee hatte, aber damit hatte ich alle Möglichkeiten, mir eine bunte, lustige Geschichte auszudenken. Es hat mich interessiert, sie in eine Situation zu stecken, die für sie völlig neu ist, in der sie sich bewähren müssen, in der ihr Status als weltbekannte Künstler plötzlich keine Rolle mehr spielt, in der sie noch nicht einmal sagen dürfen, wer sie sind und woher sie kommen. Sie müssen sich ganz normal durchschlagen und irgendwie Geld verdienen, auf allen gewohnten Luxus verzichten. Das war eine Herausforderung. Aber sonst wird es ja auf Dauer langweilig mit den ewigen Liebesdramen im gehobenen Milieu. :-) Wobei die Liebe auch hier nicht zu kurz kommt, aber eher auf bittersüße Weise. Mehr wird hier nicht verraten. Das Motiv auf dem Cover hat auf jeden Fall damit zu tun, und müsste eigentlich bekannt vorkommen. 😉

Und wie bist Du ausgerechnet auf das Jahr 1969 gekommen?
Ich selbst war in dem Jahr noch Kind, kann mich aber recht gut an vieles erinnern. Trotzdem habe ich erst gemerkt, wie viel gerade in diesem Jahr in der Weltgeschichte passiert ist, und welche Auswirkungen manches hatte, als ich mich näher damit befasst habe. Alleine über Woodstock gibt es eine Unmenge an Material, und ich habe einen dicken Wälzer über das Festival zu Hause stehen. Die Mondlandung, Hippies, der Vietnamkrieg, Präsident Nixon – all das wurde durch die Recherche für mich plötzlich wieder lebendig und meine Hauptfiguren haben es miterlebt.

Was hat Dir beim Schreiben den meisten Spaß gemacht?
Am interessantesten und gleichzeitig am verwirrendsten war es, ständig darüber nachzudenken, welche Gegenstände es 1969 schon gab und welche nicht. An manches konnte ich mich noch erinnern, aber manchmal kam ich ganz schön ins Grübeln. Waschmaschinen gab es schon, das wusste ich noch, und Kaffeemaschinen gab es auch – aber auch für normale Haushalte? Waren die überhaupt erschwinglich? Und natürlich diese ganzen anderen Sachen, die für uns heute selbstverständlich sind, gab es nicht, Handys, Computer und so weiter. Und wenn es keine Handys gab, dann natürlich auch kein Handynetz, logisch. Da musste ich ein paarmal höllisch aufpassen.

Was sind die nächsten Pläne?
Ich habe hier noch eine angefangene Geschichte in der Schublade liegen, halb Liebesgeschichte, halb Abenteuer, die auf der Kanareninsel La Gomera spielen soll. Und, ganz ehrlich, mich würde auch locken, einen Krimi zu schreiben, möglichst einen humorvollen. Oder ein Kinderbuch. Es gibt ein paar Ideen dazu, aber mehr noch nicht. Da mir ja kein Verlag mit Abgabeterminen im Nacken sitzt, kann ich meine Ideen in Ruhe reifen lassen. :-) Einer der vielen Vorteile des Selfpublishings.

Tee am Heiligabend

Winter_011 Es hatte sich nichts verändert. Die Häuser rund um den Marktplatz duckten sich förmlich neben der Kirche, das Brunnenbecken war, wie immer im Winter, zugedeckt, und die Steine des Kopfsteinpflasters glänzten feucht im Licht der Straßenlaternen. Genau wie früher, wenn er spät abends nach Hause gekommen war. Der Nieselregen hatte aufgehört, aber die Luft wurde mit jeder Minute kälter. Wenn erst Schneefall einsetzte, war es wieder wie früher, ganz genau wie früher.

Franz ging vorsichtig, um nicht auszurutschen. Seine Schuhe waren für dieses Wetter nicht geeignet, aber er besaß keine anderen. Er wechselte den kleinen Koffer in die linke Hand und steckte die rechte tief in seine Manteltasche, um sie aufzuwärmen.

Der Weg zu seinem Haus, oder besser, dem Haus, das vor vielen Jahren sein Zuhause gewesen war, kam ihm kürzer vor als vor Jahren, auch schien die Stadt wie geschrumpft. Seltsam. Er hatte immer geglaubt, es ginge einem so, wenn man Orte seiner Kindheit wiedersieht. Weil man gewachsen ist und einem alles viel kleiner erscheint, als es in der Erinnerung abgespeichert ist. Aber offenbar war der Zeitfaktor und nicht die Körpergröße das eigentlich Entscheidende. Der Marktplatz erschien ihm klein, gemütlich, fast wie eine Puppenstube.

Sein Haus lag in einer schmalen Straße, die den Marktplatz neben der Kirche mit der Hauptstraße verband. Er verlangsamte seine Schritte. Er konnte in Ruhe stehen bleiben und sich umsehen, hier fuhren keine Autos, dafür war die Gasse zu schmal. Es zog ihn magnetisch an, den Ort wiederzusehen, und gleichzeitig fürchtete er sich beinahe davor, entdeckt zu werden, jemanden zu treffen, der ihn kannte, jemanden, der ihn fragte, wie es ihm ergangen sei, und warum er jetzt, spät am Heiligen Abend, in Sommerschuhen und mit einem Koffer in der Hand auf den rutschigen Steinen spazieren ginge. Und Franz stellte sich vor, wie sich der Gesichtsausdruck des Gegenübers verändern würde, wenn er seine Geschichte erzählte, wie die Augen einen misstrauischen Ausdruck annehmen, das freundliche Lächeln des Willkommens oder des Wiedererkennens vom Gesicht tropfen und die Lippen Worte der Entschuldigung murmelten, um sich eilig zu verabschieden. So, wie man sich immer eilig und bestenfalls mit einer höflich formulierten Ausrede verabschiedet, wenn man entdeckt, dass ein Mensch sich außerhalb der eigenen Konventionen bewegt und man nicht damit umgehen kann.

Franz war stehengeblieben. Dort drüben, in der Gasse, der zweite Hauseingang auf der linken Seite, von der Straßenecke aus gezählt, das war seiner. Oder vielmehr, es war einmal seiner gewesen. Er sah sich um, außer ihm war niemand auf der Straße unterwegs, und so traute er sich näher. Er lehnte sich mit dem Rücken an die gegenüberliegende Hauswand und sah an der Fassade hoch. In einem der Fenster oben brannte ein kleines Licht. Dort, wo einmal das Zimmer seines Sohnes gewesen war. Ob dort jetzt wieder ein Kind wohnte? Aber wieso brannte dann noch Licht? Schlief das Kind noch nicht? Schlafenszeit war doch längst vorbei. Aber ja, es war Heiligabend, da durften Kinder länger aufbleiben und mit ihren neuen Spielsachen spielen. Nichts bleibt deutlicher im Herzen als die Erinnerung an Weihnachtsabende mit der Familie. Diesen Zauber, diese Vorfreude, die Kerzen, den geschmückten Baum, das vergaß man nie mehr.

Sein Blick glitt nach unten. Auch im Erdgeschoss war Licht, aber nicht in den vorderen Zimmern, es schien vielmehr aus einem der hinteren Zimmer bis nach vorne zu leuchten. Vielleicht brannte aber auch nur eine einzelne Kerze. Er ging vorsichtig auf das Haus zu, stellte seinen Koffer ab, reckte sich und versuchte, in ein Fenster hineinzuspähen. Es hatte keine Vorhänge, die Bewohner schien es nicht zu stören, dass man hineinsehen konnte. Ja, das war die Küche, immer noch. Tatsächlich stand eine Kerze stand auf dem Tisch, der Rest des Raums war nur schemenhaft zu erkennen. Die Möbel schienen anders als früher. Aber natürlich, hier wohnten seit 30 Jahren andere Menschen. Er zog den Kopf ein wenig zurück und sah nach rechts und links. Die hübschen alten Fensterläden waren auch noch da, aber sie sahen gepflegter aus, wie neu gestrichen. Plötzlich nahm Franz in der Küche eine Bewegung wahr und trat hastig einen Schritt zurück.

Als er sich bückte und nach seinem Koffer griff, öffnete sich neben ihm die Haustür und eine Frau trat heraus. Sie schlang ihre Strickjacke fester um sich und musterte ihn böse von oben bis unten. „Was stehen Sie da herum?“, herrschte sie ihn an, „warum gaffen Sie in mein Fenster? Gibt es da irgendetwas zu sehen?“

Franz zog erschrocken den Kopf ein. „Nein, nein. Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht erschrecken. Ich war nur neugierig…“ Seine Stimme verlor sich in einem Windstoß, der um die Ecke fegte, und der Schnee mitbrachte. Kleine, zu Schnee gewordene Regentropfen. ‚Griselig‘ hatte seine Frau das früher genannt, nicht diese dicken, schweren Schneeflocken, die man so gut zu Schneebällen formen konnte, weil der Schnee nass war und zusammenpappte, nein, es war dieser feine Schnee, ja, Pulverschnee nannte man ihn, jetzt fiel es ihm wieder ein. Er erinnerte sich noch gut an den Abend, als er und seine Inge hierhin gezogen waren. Alle Kartons waren endlich ausgepackt, und weit nach Mitternacht machten sie noch einen Spaziergang. Genau an dieser Ecke hatten sie gestanden, und Schneegrisel hatte eingesetzt, genau wie jetzt. Sie hatten Arm in Arm verwundert zum Kirchturm empor geschaut, der von den umliegenden Dächern von Scheinwerfern angestrahlt wurde. Der Schnee wirbelte, glänzte im Scheinwerferlicht wie goldene Fünkchen, die nach allen Seiten stoben und sich schließlich auf den Wasserspeier an der Kirchenfassade setzten, auf die Dächer, auf ihre Mützen, überall hin, und die kleine Stadt in ein Märchendorf verwandelten.

Die Frau stand immer noch in der Haustüre. Sie war blond, ungefähr Ende zwanzig, und hatte die Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie presste die vollen Lippen unwillig aufeinander, und die hellen Augen funkelten ihn an. „Neugierig sind Sie? Auf mein Fenster? Oder wie ich lebe? Das geht Sie gar nichts an, verstehen Sie? Machen Sie, dass Sie wegkommen!“

Franz nickte. „Ja, natürlich, es tut mir leid. Ich wollte nur mal schauen. Ich habe hier einmal gewohnt, wissen Sie? Das ist lange her. Aber ich gehe natürlich. Entschuldigen Sie. Auf Wiedersehen.“

Er trat einen Schritt zurück, zog seine Mütze tiefer ins Gesicht, als ob sie ihn vor dem Schnee schützen könnte, bückte sich und griff nach seinem Koffer.
„Warten Sie“, sagte die Frau. Franz drehte den Kopf und sah, dass die Frau ihn neugierig musterte, beinahe ungläubig. „Wie heißen Sie?“, fragte sie.
„Franz“, stotterte er, „Franz Hoffmann. Ich habe bis vor 30 Jahren in diesem Haus gewohnt, mit meiner…“ Er stockte, es fiel ihm schwer, aber er sah, dass die junge Frau auf das Ende des Satzes wartete, „… mit meiner Frau und meinem Sohn.“ Er konnte es aussprechen. Er konnte es dieser fremden Frau sagen, was er sonst niemandem sagen konnte. Dass er einmal eine Familie hatte, dass er einmal glücklich gewesen war und dass es in seinem Leben wunderbare Weihnachtsfeste gegeben hatte.

Die blonde Frau schwieg und musterte ihn immer noch von oben bis unten. „Sie sind Architekt, nicht wahr?“, fragte sie schließlich. Es klang mehr wie eine Feststellung.
Franz sah sie verwundert an. „Woher wissen Sie das?“
Die Frau schien einen Moment zu überlegen, dann deutete sie mit dem Kopf auf die Haustüre, die hinter ihr immer noch halb offen stand. „Kommen Sie herein.“
Franz zwinkerte überrascht. „Herein? Ich meine, zu Ihnen herein? Aber…“
„Zu wem sonst?“, sagte die Frau und um ihre Mundwinkel zuckte es, als sei sie amüsiert, aber ihre Augen hatten nach wie vor einen strengen Ausdruck. Ihr Blick huschte über seine Gestalt. „Ihre Schuhe sind abgelaufen und nicht für Winterwetter geeignet, Ihr Mantel ist zu dünn für diese Jahreszeit, und Sie sehen nicht so aus, als seien Sie heute Abend noch irgendwo eingeladen. In Ihr Köfferchen passt bestenfalls etwas Wäsche zum Wechseln. Also erzählen Sie mir nicht, dass Sie schon etwas Besseres vorhaben. Kommen Sie herein und wärmen Sie sich auf.“ Franz nickte verwundert, und als die Frau sich umdrehte und zur Haustür hineinging, folgte er ihr.

Das Erste, was er im Inneren sah, war der Boden in dem langen Flur. Er war immer noch mit diesen schwarz-weißen kleinen Fliesen ausgelegt, die er so liebte. Viele alte Häuser hatten solche Fliesen besessen, und oft hatte er mit Bauherren gestritten, die den ‚alten Kram‘ aus dem Haus haben und Altbauten ‚von Grund auf‘ modernisieren wollten. Viel zuviele von diesen schönen alten Bodenfliesen waren achtlos auf den Müll geworfen worden. Aber hier gab es sie noch. Die Frau nahm ihm seinen Mantel ab und hängte ihn an der Garderobe auf einen Bügel. Vom Flur führte links die Tür in die Küche, ja, er erinnerte sich gut. Die Möbel waren aus hellem Holz, zeitlos, schlicht, fast skandinavisch, alles aufeinander abgestimmt, die Küchenzeile, der Esstisch, Wandregale, nicht so zusammengestoppelt, wie er und Inge sie damals hatten, weil sie sich keine neue Küche leisten konnten. Franz wäre furchtbar gerne im ganzen Haus herumgelaufen und hätte sich umgesehen, aber die Frau deutete auf einen Stuhl und er setzte sich folgsam.

„Ich habe eben eine Kanne Tee zubereitet, aber Sie können auch ein Glas Wein haben.“ Franz nickte verwirrt. Die Frau schmunzelte. „Was denn nun?“
„Eine Tasse Tee wäre schön“, sagte Franz zaghaft, „zum Aufwärmen.“
Sie nickte und stellte ein Stövchen auf den Tisch, nahm eine Schachtel Streichhölzer und zündete das Teelicht an. Franz sah, dass ihre Hand ein wenig zitterte. Fürchtete sie sich vor ihm? Aber warum hatte sie ihn dann hereingebeten? Sie stellte eine Teekanne auf das Stövchen, und aus der Tülle stieg feiner Dampf auf. Sie stellte zwei große, bauchige Tassen auf den Tisch und eine Zuckerdose, in der Kandszuckerstückchen waren. „Haben Sie Hunger?“

Franz wusste nicht mehr, was er denken sollte. Erst hatte sie ihn verscheuchen wollen, das war ihr gutes Recht, und jetzt saß er plötzlich in ihrer Küche und sie bewirtete ihn. Es war angenehm warm im Raum, Tannenzweige in einer Vase verbreiteten würzigen Duft, und das Teelicht roch nach Zimt. Franz schüttelte den Kopf. Er hatte Hunger, er hatte seit einem Müsli zum Frühstück nichts mehr gegessen, nur hätte er sich eher auf die Zunge gebissen, als es zuzugeben. Sein Magenknurren verriet ihn, und die Frau nickte nur. Sie ging wieder an die Küchenzeile, griff hierhin und dorthin, nahm ein Holzbrett, Messer, öffnete den Kühlschrank, nahm Sachen heraus, räumte sie wieder hinein, werkelte ein paar Minuten schweigend und ehe Franz sich versah, hatte er eine Platte mit Butterbroten vor sich stehen, mit Wurst und Käse dick belegt, auch eine Papierserviette legte sie dazu.

„Greifen Sie zu“, forderte sie ihn auf, „bei mir muss niemand hungrig bleiben.“ Sie setzte sich ebenfalls an den Tisch, goss Tee in beide Tassen und nickte ihm aufmunternd zu. Franz zögerte, aber der Hunger siegte und so aß er schnell ein Brot, ein zweites, und schließlich war die ganze Platte leer. Die Frau sagte während er ganzen Zeit nichts, trank ab und zu einen Schluck Tee und beobachtete ihn. Aber es war kein unbehagliches Schweigen zwischen ihnen beiden, auch war es kein misstrauisches Beobachten, wie auf dem Sprung, oder ungeduldig, dass er endlich wieder gehen möge, es war ein Beobachten, wie um ihn kennenzulernen. Sie sah ihm beim Essen zu, eher beiläufig, wie man jemandem zusieht, den man schon lange kennt, so, als sei dies ein ganz normales Abendessen.

Franz tupfte sich den Mund ab, legte die Serviette auf die Platte und schob sie auf die Seite. „Vielen Dank“, sagte er, „das war sehr gut.“
„Möchten Sie noch etwas?“, fragte die Frau.
Franz schüttelte den Kopf. Er war satt, er war sogar sehr satt. Er hätte kein einziges Brot mehr verdrücken können. Solche Mengen Essen war er nicht mehr gewohnt. „Danke“, sagte er, „das ist sehr nett von Ihnen, aber es war mehr als genug.“

Die Frau trank weiterhin ihren Tee, sagte aber nichts, so als ob sie darauf wartete, dass er Fragen stellte oder das Gespräch begann.
„Wohnen Sie schon lange hier?“, fragte Franz. Vielleicht kannte sie noch Nachbarn von früher, vielleicht konnte sie ihm sagen, was aus dem einen oder anderen geworden war, ob es die kleinen Geschäfte in der Nachbarschaft noch gab, ob der Bäcker an der nächsten Ecke immer noch diese köstlichen Brötchen verkaufte, und ob die Kirche immer noch am Sonntagmorgen um sieben Uhr alle Glocken läutete. Als er und Inge anfangs in dieser Wohnung lebten, waren sie vor Schreck beinahe aus dem Bett gefallen, später hatten sie sich daran gewöhnt und wachten nicht einmal mehr davon auf.

„Ich wohne hier schon mein ganzes Leben“, sagte die Frau und beobachtete ihn wieder.
„Hier?“, fragte Franz ungläubig, „dann müsste ich Sie doch… Moment…“ Er rechnete nach. Nein, wenn sie, wie er schätzte, um die dreißig war, dann war sie vermutlich kurz nach seinem Auszug hierhin gekommen, als kleines Kind, ja, das könnte stimmen. Vielleicht war damals eine neue Familie hier eingezogen, als er und Inge und Michael, ihr kleiner Sohn, ausgezogen waren.

„Nein, Sie kennen mich nicht“, sagte die Frau. Sie sah ihn lange an. „Erzählen Sie mir von der Zeit, als sie hier gewohnt haben. Und was danach aus Ihnen geworden ist.“ Franz wandte den Blick ab. Sie beobachtete ihn immer noch, beinahe forschend, aber nicht unfreundlich. Sie schien ehrlich interessiert zu sein, seine Geschichte zu hören. Und so erzählte er, wie er und Inge und dann das Kind hier gelebt hatten.

Er war ein junger Architekt gewesen, der sich, nach einigen Jahren in verschiedenen Architekturbüros, selbständig gemacht hatte. Hier unten, im hinteren Teil des Hauses, war sein Büro gewesen. Die Frau nickte. Bestimmt würde sie ihm die Räume noch zeigen, wenn er danach fragte, aber sie machte keine Anstalten, aufzustehen. Und Franz redete weiter, es sprudelte alles aus ihm heraus. Eine tolle Nachbarschaft hatten sie gehabt, eine Stammkneipe gleich an der nächsten Ecke, wo sich abends immer alle trafen, zwischen 18 und achtzig waren sie gewesen, eine große Gruppe, die auch gemeinsam Ausflüge und Feste plante. Inge und er hatten sich so unglaublich wohl gefühlt, obwohl sie beide nicht aus dem Ort stammten. Ihre Vermieterin war Mittelpunkt dieser Aktivitäten, sie war großzügig und fürsorglich, ihr gehörte außer den zwei benachbarten Häusern ein kleines Handarbeitsgeschäft an der Ecke, aber sie lebte vor allem von den Mieteinnahmen und war eine amüsante, lebenslustige Frau.

Dann gerieten Franz und Inge in finanzielle Schwierigkeiten. Gleich zwei Kunden hatten die Honorare nicht gezahlt, ein dritter mit großer Verspätung, es gab gerichtliche Auseinandersetzungen, und obwohl Inge sparsam wirtschaftete, blieb kaum genug Geld zum Leben. Es sprach sich herum, dass er prozessierte, das Warum interessierte niemanden, aber es kamen keine neuen Aufträge mehr herein. Zu groß war das Misstrauen möglicher Kunden, ebenfalls in einen Rechtsstreit verwickelt zu werden.

Und er hatte ein große Dummheit begangen. Michael war gerade ein Jahr alt, kränkelte, und die Sorgen und das quengelnde Kleinkind zerrten an seinen Nerven, oft ging Franz allein in die Kneipe, während Inge zu Hause auf den Jungen aufpasste. Eines Abends war es dann passiert – er brachte eine Nachbarin nach Hause, ihre Vermieterin, aber anstatt sich an der Haustür zu verabschieden, ließ er sich von ihr noch zu einem Kaffee einladen und schließlich landeten sie in ihrem Bett. Erst im Morgengrauen war er nach Hause geschlichen.

„Es war ein Ausrutscher“, sagte Franz und hielt den Kopf gesenkt, „ich mochte sie gern, aber mehr war da nicht. Ich hatte getrunken und sie auch. Ich hatte nicht vor, mit ihr etwas anzufangen oder Inge zu betrügen, es war mir einfach alles über den Kopf gewachsen.“

Inge war dahintergekommen, irgendwie, Franz hatte nie erfahren, woher sie von der Nacht wusste, aber sie hatte darauf bestanden, wegzuziehen, und Franz hatte es verstehen können. So waren sie umgezogen, in einen anderen Ort, Franz hatte Arbeit gesucht, einen Job in einem Architekturbüro gefunden, aber der Job hatte ihm keinen Spaß gemacht. Statt Eigenheimen hatte er nun Büros planen müssen, eintönige Aufgaben, und schlechter bezahlt. Der Schuldenberg wurde größer, weil Franz einen Prozess verloren hatte, der Junge kam in den Kindergarten, dann in die Schule, es musste Kleidung angeschafft werden, Schulsachen, Inge wollte immer nur das Beste für ihn, die Miete stieg, und Franz wusste kaum, wie er alles bezahlen sollte.

Franz redete und redete, und die Frau hörte einfach nur zu. Franz wunderte sich, warum er von diesen Dingen sprach, es war doch so lange her, und es konnte sie doch kaum interessieren, aber sie unterbrach ihn kein einziges Mal. „Schließlich wuchsen uns die Schulden über den Kopf“, erzählte Franz weiter, „und dann machte ich den nächsten großen Fehler, den größten überhaupt – ich blieb eines Abends länger im Büro und gab vor, noch zu arbeiten. Ich wartete, bis alle weg waren, und ging dann im Büro des Chefs an den Tresor. Ich wusste, dass immer Geld darin lag. Ich habe nicht darüber nachgedacht, dass man mir ziemlich schnell auf die Schliche kommen würde. Ich wollte mich nur von diesen drückenden Schulden befreien, ein für allemal. Als ich das Geld gerade herausgenommen hatte und in eine Tasche packen wollte, kam der Chef zurück. Er hatte wohl etwas vergessen. Er war ein ziemlich jähzorniger Mann und bärenstark dazu. Er ging gleich auf mich los, wir prügelten uns, und irgendwie gelang es mir, ihn von mir wegzuschubsen, er rutschte aus, schlug mit dem Kopf hart gegen die Schreibtischkante und blieb bewusstlos liegen. Ich wollte zuerst abhauen, jeder hätte einen Raubüberfall vermutet, aber als er sich nicht mehr rührte, habe ich es mit der Angst zu tun bekommen und einen Krankenwagen gerufen. Er hatte einen Schädelbasisbruch und Hirnblutungen, lag noch etwa zehn Tage im Koma und ist dann gestorben. Ich bin wegen Totschlags zu einer Haftstrafe verurteilt worden, die ich voll abgesessen habe. Heute Morgen hat man mich entlassen. In meinem Koffer ist alles, was ich noch besitze.“

Es war still in der Küche, nur das Flämmchen unter der Teekanne britzelte ganz leise, und an den Fensterscheiben rieselten kleine Eiskristalle entlang. Das Schneegestöber draußen war dichter geworden, der Wind hatte zugenommen, und die Flocken wurden dicker und trieben fast waagerecht am Fenster vorbei. Franz hatte noch kein Quartier für die Nacht, er hatte sich hinreißen lassen, hatte geredet und geredet. Franz verstand nicht, warum er dieser fremden Frau das alles erzählt hatte. Wahrscheinlich, weil er überhaupt noch nie jemandem seine Geschichte erzählt hatte. Weil keiner sie hatte hören wollen. Er hatte im Gefängnis gesessen, er war ein Verbrecher, er hatte einen Menschen getötet. Nicht mit Absicht, es war ein Unfall gewesen, aber er war schuld, er hätte diesen Diebstahl gar nicht erst begehen dürfen. Ja, er hatte seine Strafe verdient, er war dumm gewesen, sehr dumm, und er hatte dafür bezahlt. Inge hatte sich von ihm scheiden lassen, als er ins Gefängnis musste, war irgendwo nach Süddeutschland gezogen und hatte den Jungen natürlich mitgenommen. Der kleine Michael hatte ihm noch einige Briefe geschrieben, in krakeliger Kinderschrift, aber eines Tages hörte auch das auf. Er wusste weder, wo sie jetzt lebten, noch, wie es Inge und seinem Sohn seitdem ergangen war.

Franz starrte auf seine Teetasse, die er in beiden Händen hielt. Sie war fast ausgetrunken, und seine Finger waren wieder warm. Es wäre besser, er ginge möglichst schnell. Wie kam er überhaupt dazu, dieser Frau sein ganzes Leben zu erzählen. Franz lugte vorsichtig zu ihr hinüber. Sie starrte auf den Tisch und rührte sich nicht. „Jetzt kennen Sie meine Geschichte. Sie fing in diesem Haus an, tja, und irgendwie endet sie auch hier.“

Die Frau hob den Kopf und sah ihn lange an. „Was haben Sie jetzt vor?“, fragte sie. Franz zuckte mit den Achseln. Darüber hatte er sich keine Gedanken gemacht. Er würde sich für die Nacht in irgendeiner billigen Pension einmieten, in den nächsten Tagen ein möbliertes Zimmer suchen und dann seine Rente beantragen. Viel würde er ohnehin nicht bekommen. Am liebsten würde er wieder arbeiten, als Architekt, seine Augen waren noch gut genug, um am Zeichentisch zu sitzen, aber wer würde ihm schon Arbeit geben, in seinem Alter und mit seinem Lebenslauf. Niemand. Franz wollte und konnte nicht weiter denken als bis zum nächsten Morgen, bis zum Ende der Woche vielleicht, eins musste zum anderen kommen, es würde sich schon irgendetwas ergeben, aber der Gedanke, dass sich wahrscheinlich nichts ergeben würde, dass er irgendwo in einem billigen Zimmer die restlichen Jahre seines Lebens verbringen würde, diesen Gedanken ließ er möglichst nicht an sich heran. Das Schneegestöber draußen wurde immer dichter, und Franz schauderte innerlich bei dem Gedanken, in seinen dünnen Sachen wieder hinaus zu müssen. Hoffentlich gab es die kleine Pension am Ende der Hauptstraße überhaupt noch, darüber hatte er nicht nachgedacht.

„Wie wäre es, wenn Ihre Geschichte nicht in diesem Haus endet, sondern weitergeht?“, fragte jetzt die Frau.
„Wie meinen Sie das?“, fragte Franz verblüfft.
„Sie haben die ganze Zeit geredet, und es war berührend, was Sie über Ihr Leben berichtet haben. Sehen Sie, so wie ich es verstehe, brauchen Sie Arbeit und eine Wohnung. Platz ist hier genug, die obere Etage nutze ich praktisch nicht. Ich bin ebenfalls Architektin, wir könnten zusammenarbeiten.“
„Aber…“
„Ich verstehe, dass das jetzt ein bisschen plötzlich kommt. Aber Sie sind mir sympathisch, sehr sogar. Und ich habe gute Gründe, warum ich Ihnen das anbiete. Haben Sie sich nicht gefragt, wie ich heiße, oder wer ich bin?“
Franz dachte nach. Er hatte nicht auf das Klingelschild gesehen, als er am Haus angekommen war, und sich nicht nach ihrem Namen erkundigt. „Oh“, sagte er, „es tut mir leid. Wissen Sie, ich hatte lange niemanden zum Reden, und Sie haben die ganze Zeit so aufmerksam zugehört, dass ich dachte… es interessiert Sie… Entschuldigen Sie.“ Er stand auf. „Ich gehe besser, Frau… wie heißen Sie denn?“
„Rademacher“, sagte die Frau, „Katrin Rademacher.“ Sie sah ihn abwartend an.
Franz dachte nach. „Rademacher hieß damals unsere Vermieterin. Ihr gehörte dieses Haus und das Haus nebenan. Sie ist… Moment…“ Franz schloss die Augen. In seinem Kopf rasten die Gedanken.

Katrin nickte. „Sie war meine Mutter. Ich bin im Haus nebenan geboren und aufgewachsen und hier eingezogen, als sie vor ein paar Jahren gestorben ist. Ich wollte nicht drüben in der Wohnung bleiben, außerdem ist hier genug Platz für ein Büro.“ Katrin hatte schon immer hier gelebt, hatte sie gesagt. In dieser Straße, im Haus nebenan und jetzt hier, in seiner ehemaligen Wohnung. Ihre Mutter war die Nachbarin, mit der Franz sich auf die einmalige Liaison eingelassen hatte. Katrin war ungefähr 30 Jahre alt. Das rötlichblonde Haar hatte sie von ihrer Mutter geerbt, aber den schlanken Körperbau und die klaren, offenen Gesichtszüge vom Vater.

„Nein“, sagte Franz, „nein, nein, nein, das ist nicht wahr. Das kann nicht wahr sein.“ Katrin lächelte. Ein warmherziges, freundliches Lächeln, gemischt mit Sorge oder Vorsicht und ein wenig Belustigung. „Meine Mutter hat mir gesagt, wer mein Vater ist, sobald ich alt genug war, es zu verstehen. Ich habe nachgeforscht, aber Dich nicht finden können. Du warst wie vom Erdboden verschluckt. Jetzt weiß ich auch, warum. Dass Du allerdings eines Tages hier wieder auftauchen würdest, und ausgerechnet am Heiligabend, damit habe ich nicht gerechnet.“ Sie stand langsam auf, so, als ob sie Angst hätte, ihn zu verscheuchen, und streckte ihm eine Hand entgegen. „Ich habe mir so gewünscht, dass wir uns eines Tages kennenlernen, Vater. Frohe Weihnachten.“

Ausgefallenes

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In den meisten Fällen weiß niemand – außer dem Autor selbst – wie viele Seiten für ein Buch tatsächlich geschrieben wurden und wie viele davon überhaupt nur im fertigen Buch gelandet sind. Ich behaupte mal: die Hälfte. Höchstens. Vielleicht auch nur ein Drittel.
Es gibt ganze Szenen, die fertig geschrieben sind, aber wegfallen (müssen), weil sie die Handlung nicht voranbringen. Es gibt auch Szenen, die zum Ausprobieren geschrieben werden. Kann ich das so ausdrücken, wie ich es vor meinem geistigen Auge sehe? Vieles wird daraufhin verworfen, weil es niedergeschrieben dann doch nicht so gut klingt, etwa kitschig oder zu langweilig. Oft ist es dann so, dass genau die Zeilen, die einem so schwer fallen, tatsächlich gar nicht in die Geschichte passen.
Manchmal schreibe ich auch Szenen mehrfach um, weil sie den Kern der Sache nicht treffen, oder weil die Hauptfiguren es sich anders überlegen.
Es kommt auch vor, dass die Handlung sich ändert. Viele Autoren kennen das: wenn man die Figuren erst einmal so weit hat, dass sie von selbst laufen, machen sie, was sie wollen, und man kann es nur noch mitschreiben, aber nicht mehr beeinflussen. Wichtig ist, dass sie das vorher gesteckte Ziel am Schluss erreichen, aber der Weg dorthin ist manchmal verworren. Das bedeutet auch, dass man vorher entworfene Dialoge oder Handlungen, die erst für später im Buch geplant waren, in die Tonne kloppen kann.
Genau das sollte man aber nicht tun: in die Tonne kloppen. Ich habe immer die verschiedenen Stadien eines Buchs noch abgespeichert und kann mir Szenen, die ich im Verlauf des Schreibens verworfen habe, wieder hervorholen.
Im konkreten Fall ist es so, dass in meinen beiden ersten Büchern der Naturforscher Ramón eine wichtige, aber keine tragende Rolle spielt. Er lebt aber in einer wunderschönen Umgebung (Kanareninsel La Gomera), ist Naturforscher (und Heilkundiger) und erlebt eine Menge spannender Dinge, die ich bisher nicht berücksichtigen konnte, weil er nicht die Hauptperson war.
Aber das kann sich ja ändern… :-)

Das erste Buch ist das Schwerste…

… und nun ist das zweite schon auf dem Markt. Und es gibt viele Ideen für weitere. :-)

Nach über einem Jahr Pause in der aktiven Schreiberei und nur gelegentlichen Anfällen von oberflächlichen Korrekturen ist das zweite “Baby” nun doch fertig geworden. Quasi so nebenbei. Das ist der Vorteil, wenn man als Verleger und Autor sein eigener Herr ist. Dinge können in Ruhe “reifen”, Texte können, obwohl fertig, liegenbleiben – und der zweite Band ist meiner Meinung nach besser als der erste, was ich vorher kaum zu hoffen gewagt hätte.

Im zweiten Buch geht es wieder um Kitty und Juan – aber keine Angst, es kann auch gelesen werden, wenn man den ersten Teil nicht kennt.

 

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“Darling, es wird wieder später!”

Erscheinungsdatum: 11. September 2014
Genre: Roman
ISBN-13: 978-1500844936
ISBN-10: 1500844934
Herausgeber: Sabine Kern

 
 

 

 

 
INHALT:

Frisch verheiratet und von Köln über Berlin nach London – für die Journalistin Kitty Sander verläuft das Leben auf der Überholspur, seit sie den Sänger Juan Torres kennengelernt hat. Nach der schnellen Hochzeit freuen sich beide auf ihr Zusammenleben in London und stürzen sich voller Energie in neue berufliche Aufgaben. Vor Juan und der Gesangsgruppe Con Pasion liegen anstrengende Wochen im Studio, um ein neues Album aufzunehmen, und Kitty beginnt einen Job, in dem ihre gesamten journalistischen Erfahrungen gefragt sind. Ihre Recherchen sind allerdings nicht ganz ungefährlich …

Bestellbar als Kindle-Edition (3,99 Euro) und als Taschenbuch (9,99 Euro).
 
 
In Vorbereitung:

Ein weiteres Buch, in dem es ein letztes Mal um die vierköpfige Gesangsgruppe geht, und das eher fantastisch und komisch werden wird, ist in Vorbereitung und soll Anfang 2015 erscheinen. Bisheriger Arbeitstitel: “Lost In Time”.

Leserstimmen

Zwei Monate ist es nun her, dass ich mein Buch herausgebracht habe. Einfach so. Ich schreibe gerne, und ich habe ein Buch geschrieben, das ich selber mag, ich hege keinerlei kommerzielle Absichten – und jetzt das: Ohne jegliche Werbung – wenn man von meinem Blog und der Facebookseite absieht – ist das Buch erstaunlich gefragt, ich bekomme Zuschriften, und offenbar gefällt die Geschichte nicht nur mir. :-) Zeit für eine Zwischenbilanz.

Buchcover "Darling, wir sind hier im Ritz!"
Buchcover „Darling, wir sind hier im Ritz!“

Hier ein paar Leserstimmen, aus Amazon-Bewertungen und aus Mails, die mich erreicht haben:

„Der Autorin gelingt es spielend, die Charaktere, Orte und Begebenheiten in ihrem Buch präzise zu beschrieben – es macht einfach Spaß, sich die einzelnen Situationen vorzustellen.“

„Gestern angefangen mit dem Lesen, heute fertig! Toll und spannend geschrieben, dass ich das Buch gar nicht aus der Hand legen wollte (ist mir schon länger nicht passiert).“

„Herrliche Wochenend-Faulenz-Schmacht-Lektüre, an einem Tag weggeschmökert!“

„Diese Geschichte ist nicht einfach nur spannend geschrieben, sie ist voller Überraschungen, Emotionen und man kann nicht mehr aufhören zu lesen, da man einfach wissen muss, was als nächstes passiert. Einfach eine geniale Story!“

„Es ist echt Klasse!! Obwohl Liebesromane eigentlich gar nicht meins sind, habe ich das Buch förmlich “aufgefressen”. Ich brauche eine Fortsetzung!“

„Die Story nimmt einen gefangen und lässt einen bis zum Schluss nicht mehr los, man muss einfach bis zum Ende weiterlesen. Eine wirklich bezaubernde Liebesgeschichte mit noch viel mehr Drumherum, ich bin total begeistert und kann nur sagen: Das schreit nach einer Fortsetzung!“

Was die Fortsetzung angeht, so ist tatsächlich eine geplant und bereits in Vorbereitung. Geübte Leser meines Blogs wissen, dass ich den Text, der ursprünglich EIN Buch werden sollte, kurzentschlossen geteilt hatte (“Ganz schön aufregend“). Der zweite Teil wird nun die Fortsetzung. Ich muss einiges ändern, damit auch Leser, die den ersten Band nicht kennen, damit zurechtkommen, und ich arbeite fleißig daran. Als Erscheinungsdatum ist Juni oder Juli 2014 geplant.

Und noch etwas: ich würde mich sehr über weitere Leserstimmen auf Amazon freuen!

Mein Buch ist in der Welt…

… und ich bin ungeheuer stolz, dass ich das geschafft habe!

“Darling, wir sind hier im Ritz!” hat beim Schreiben viel Spaß gemacht. Nach den ersten kurzen Fortsetzungsgeschichten, die bereits 2009 erschienen sind, habe ich jetzt ungefähr anderthalb Jahre daran gesessen, ein Buch daraus zu machen. Dafür sind es gleich zwei Bücher geworden. Der zweite Band “London, Madrid und zurück” wird im Spätsommer herauskommen.

“Darling, wir sind hier im Ritz!” ist bei Amazon als Taschenbuch und als Kindle-Edition erhältlich. Beim Kindle gibt es auch eine Leseprobe.

Neben Berichten über die Fortschritte des zweiten Buchs werde ich an dieser Stelle jetzt Ergänzungen zu den einzelnen Kapiteln liefern, Fotos, Erinnerungen, Beschreibungen der Schauplätze, oder auch Fragen zum Buch beantworten.

Heute ein Bild vom Kölner Dom. Wir erinnern uns, wie das erste Kapitel beginnt: Kitty kommt aus dem Hauptbahnhof in Köln heraus und muss einen Bogen schlagen um Touristen, die versuchen, sich gegenseitig vor dem berühmten Gebäude zu fotografieren. So in etwa sieht Kitty den Dom aus dieser Perspektive.

Kölner Dom
Kölner Dom

Es wird ernst…

Mein Korrekturexemplar von Createspace ist eingetroffen, superpünktlich und superschnell. Sie arbeiten dort wirklich grandios kundenfreundlich, muss ich einfach mal sagen.

Der nächste Schritt ist der unwiderruflich letzte vor der Veröffentlichung: das gedruckte Probe-Exemplar noch einmal gründlich prüfen. Ob alles an Ort und Stelle ist. Ob sich sich doch noch ein paar verrutschte Silbentrennungen oder falsche Anführungszeichen eingeschlichen haben. Ob mir stilistisch noch etwas auffällt. Mit anderen Worten: ich lese das ganze Buch, das ich eh schon singen kann, von vorne bis hinten noch einmal gründlich durch. Vieles sieht im Buchdruck ganz anders aus als am Bildschirm und sogar als Ausdrucke auf dem Papier.

Und dann? Dann geht es los, es kann nur noch wenige Tage dauern… Parallel dazu liefert Createspace auch eine Version, die man als Kindle-Book hochladen kann. Auch das soll in den nächsten Tagen passieren.

Ist das ein gutes Omen? Ich traf heute zufällig denjenigen, der mir als Vorlage für Hendrik gedient hat… 😉 Ich hatte ihn seit Monaten nicht mehr gesehen.

Die letzten Wochen habe ich eher im Blog als hier dokumentiert. Ich habe einfach nicht die Zeit gefunden, neben den Blogseiten „Doppelt Das Buch„, „Mutters Rockzipfel“ und „Dark Carlos“ auch noch die Webseite regelmäßig zu bestücken. Das soll sich ändern…

Cover
Cover
Innenleben 1
Innenleben 1
Innenleben 2
Innenleben 2

Endspurt

Im Blog hat sich lange nichts mehr getan. Aber ich habe eine Entschuldigung: ich editiere! Was im Klartext bedeutet, das Buch ist fertig, und jetzt wird es noch einmal von vorne bis hinten durchgearbeitet. Jeder einzelne Satz muss auf den Prüfstand, und – oh Gott – ich hab noch so viele Fehler gefunden…

Aber es wird. Als Veröffentlichungstermin habe ich den März angepeilt, und kann den Termin hoffentlich auch halten. AMitte März wäre toll, Ende März/Anfang April ist wahrscheinlicher.

Ich glaube, ich habe jetzt auch den endgültigen Titel, aber ich will nochmal drüber schlafen, bevor ich ihn allgemein bekannt gebe.

Ich werde das Buch mit „Createspace“ bei Amazon veröffentlichen, das scheint mir am einfachsten zu sein, und vor allem braucht man nicht in finanzielle Vorlagen treten. Das wird noch ein Kapitel für sich, den Text entsprechend einrichten, das Cover hochladen…

Oh.

Das Cover.

Das wird der nächste Blogeintrag. :-)

Johanna

Kaffeepause. Juan stand mit seiner großen Tasse in der Hand am Fenster vom Aufenthaltsraum und sah gedankenverloren auf den Hof hinunter. Er hatte versucht, Kitty anzurufen, aber sie war von ihrem Workshop noch nicht zurück. Nur ihre Mailbox antwortete. Auch wenn sie sich in den letzten Tagen ständig gestritten hatten, im Grunde hatte Kitty recht. Sie hatten so wenig Zeit füreinander, dass sie sich kaum besser kannten als im letzten Sommer. Und schlimmer noch, seit er ein paarmal vor lauter Frust einen hinter die Binde gekippt und betrunken nach Hause gekommen war, war es fast so, als würde sie seine Gegenwart meiden. Selbst die Nächte waren flüchtiger geworden, vom Zeitdruck bestimmt, mehr Gewohnheit als Leidenschaft. Das durfte, das konnte doch nicht sein, nicht so schnell. Und eigentlich hatte er gedacht, es würde nie passieren, dass Gleichgültigkeit in ihre Beziehung einziehen würde. Sie liebten sich, sie waren füreinander bestimmt, er wusste es. Konnte ihre Partnerschaft, ihre Liebe sich abnutzen, bevor sie überhaupt verheiratet waren?

Juan war ratlos. Er musste dringend mit jemandem reden. Nicht heute und nicht jetzt, aber sehr bald. Und heute waren sie im Studio besonders unter Zeitdruck. Diesmal lag es an James. Seitdem er sein Date gehabt hatte, war er völlig durch den Wind. Aber er weigerte sich hartnäckig, Genaueres zu erzählen.

Hinter sich hörte er Schritte und sah über die Schulter. Gian kam aus der Küche, ein großes Glas Wasser in der Hand. Er blieb einen Moment stehen, um durstig einen großen Schluck zu trinken, und kam dann auf ihn zu. Juan schmunzelte. Gians Sweatshirt war gebügelt, seine Jeans umgenäht und sauber. Überhaupt sah er neuerdings nicht mehr aus wie ein aus dem Nest gefallener Vogel, sondern irgendwie… Juan suchte das richtige Wort – häuslich? Bodenständig? Margherita machte offenbar einen guten Job, und Juan hatte sich in den letzten Wochen schon oft gefragt, ob sich zwischen den beiden etwas anbahnte. Er hütete sich, Gian zu fragen, bei persönlichen Fragen machte er trotz aller Freundschaft sofort zu, wie eine Auster. Entweder er fing von selber damit an, oder eben nicht. Juan akzeptierte das. Er selber war genauso verschlossen in persönlichen Dingen. Nur brachte ihm das jetzt gerade einen Haufen Ärger ein.

„Francois und James schließen gerade Wetten ab, wieviele Versuche wir für den Song noch brauchen“, grinste Gian und stellte sich neben Juan.

Juan lehnte sich mit dem Rücken ans Fensterbrett und dachte nach. „Wenn James sich weiterhin so blöd anstellt, sicher noch fünf oder sechs. Was meinst Du?“

„Ich bin Optimist, ich sage drei.“

„Hauptsache, wir werden heute damit fertig, ich habe keine Lust, nach der USA-Reise von vorne anzufangen.“

Sie grinsten sich an, und Gian trat näher ans Fenster. „Immer noch so ein Mistwetter“, sagte er und äugte nach oben in den grauen Himmel, „aber in Kalifornien soll es schon sehr warm sein, hat Thomas gesagt.“ Dann fiel sein Blick über den Hof, und schließlich blieb sein Blick an etwas hängen, und er reckte sich, um senkrecht nach unten zu sehen. „Nanu? Wir bekommen Besuch.“

Juan drehte sich um und sah gerade noch Michael unter dem Vordach vom Gebäude verschwinden. „Will der zu uns?“ fragte Gian, und dann hörten sie auch schon Schritte im Treppenhaus. Gleich darauf öffnete sich die Tür und Michael trat ein. Er lächelte erfreut, als er Juan sah. „Das trifft sich gut, ich wollte zu Dir“, sagte er, kam auf sie zu und schüttelte beiden die Hand.

Juan sah ihn verblüfft an. „Zu mir? Wieso?“

Michael warf einen Blick auf Gian, der sie neugierig ansah, und sein Blick wanderte wieder zu Juan. „Ich muss Dich unter vier Augen sprechen, geht das?“

Juan und Gian wechselten einen erstaunten Blick. „Ja“, sagte Juan, „Ja, natürlich. Wir können in Christines Büro gehen, sie hat gerade Mittagspause. Entschuldige mich einen Moment, Gian.“

Gian wedelte gelassen mit der Hand. „Kein Problem.“

Sie gingen nebeneinander in das kleine Büro neben der Küche. Michael schloss die Tür und bedeutete Juan, sich auf einen der Besucherstühle zu setzen. Juan setzte sich zögernd. Michaels Miene verhieß nichts Gutes.

„Was ist los? Ist etwas passiert?“

Michael lehnte sich am Schreibtisch an. „Sie ist hier“, sagte er.

Juan runzelte die Stirn. „Wer ist wo?“

„Johanna“, sagte Michael, „sie ist hier in London. Sie hat mich vorhin angerufen.“

Schlagwörter

Damit meine Seite auch gefunden wird, versehe ich die Artikel gerne mit den sogenannten „Schlagworten“, die in WordPress (mit dem diese Seite hier betrieben wird) vorgesehen sind. Man muss nicht, aber man kann zu jedem Artikel passende Stichworte vergeben.

Und so, wie die Schlagwortwolke im Moment aussieht, würde sich daraus schon wieder eine eigene Geschichte stricken lassen… :-)