#autorenwahnsinn, Tag 29 – Killed Darlings – Gelöschte Szenen

Killed Darlings: Poste eine Szene, die du aus einem Manuskript gelöscht hast.

Tatsächlich gibt es von „Spätsommer auf Borkum“ – neben einigen Umarbeitungen an Sätzen – nur eine ganze gelöschte Szene. Es tat mir zwar sehr leid, aber sie passte so nicht in den Ablauf. Was sich in dieser Szene abgespielt hat, wird an späterer Stelle in einem Nebensatz erwähnt. Und das reichte auch zum Verständnis.

Vorgeschichte: Marten hat festgestellt, dass er sich Hals über Kopf in die Braut seines Bruders verliebt hat. Seinen ungeschickten Versuch, sie zu küssen, quittierte sie mit einer schallenden Ohrfeige.
Marten fühlt sich bis auf die Knochen blamiert und flüchtet in seine Stammkneipe, wo er seinen Freund, den Inselpiloten Hinni trifft:

„Ich hab da eine Frau kennengelernt“, sagte Marten und starrte in sein Bierglas.
Hinni rückte mit seinem Barhocker näher. „Ich hab schon gehört“, raunte er.
Martens Kopf flog herum. Wie konnte Hinni von der idiotischen Szene vor dem Restaurant wissen?
„Die von der Wattwanderung, richtig?“, sagte Hinni und zwinkerte ihm zu. „So eine große Blonde, die dir nachgestiegen ist.“
Marten starrte ihn an. Eine große Blonde? Ihm nachgestiegen? „Und wann soll das gewesen sein?“
„Na, vorgestern. Du warst den ganzen Tag über schlecht gelaunt, stimmt doch, oder?“
Marten unterdrückte ein Schmunzeln. Ja, er war schlecht gelaunt gewesen, aber das hatte einen anderen Grund gehabt – Anne. Hinni war auf der falschen Fährte, und das war gut so. Das mit Anne ging ihn nichts an, zumindest so lange nicht, wie er seine eigenen Gefühle nicht sortiert hatte.
„Hey, was ist denn?“, fragte Hinni jetzt lauter, „versuchs doch bei der Blonden. Sie wohnt in der ‚Strandkrabbe‘, hab ich gehört.“
Hinnis Stimme war lauter und lauter geworden, und die ersten Blicke von den Nachbartischen verirrten sich zu ihnen herüber. Marten sah ein Ehepaar, das ihm bekannt vorkam und wahrscheinlich bei einer seiner Wanderungen dabei gewesen war. Jetzt steckten sie gerade die Köpfe zusammen und schienen zu beratschlagen, wer wohl gemeint war. Der Ehemann warf ihm hin und wieder einen misstrauischen Blick zu. Plötzlich hatte Marten keine Lust mehr, mit Hinni über Frauengeschichten zu faseln, zumal der schon ordentlich einen im Kahn hatte. Er schlug ein unverfänglicheres Thema an und zeigte auf Hinnis Glas. „Wie viel hast du denn schon? Musst du morgen fliegen?“
„Nee, nee“, lachte Hinni, „ich hab frei. Bis jetzt. Vielleicht entschließen sich morgen noch ein paar knusprige Gäste spontan, aber vor Mittag gehe ich nicht ans Telefon. Keine Sorge.“

Wie sich herausstellt, hat Hinni am anderen Tag doch einen Flug, und der endet beinahe tragisch…

#autorenwahnsinn, Tag 6 – Sommerlektüre eines Kollegen

Es geht heute darum, welches Buch eines Kollegen man aus vollem Herzen empfehlen kann.

Nee, so mache ich das nicht. Ich kann nicht einfach nur einen aussuchen. Ich interpretiere das jetzt einfach mal anders und empfehle eine/einen für das jeweilige Genre. :-)

Ich bin kein Fantasy-Leser, überhaupt nicht. Aber als Einsteigerlektüre halte ich das „Hexendorf“ von Nina Rabe (alias Susanne Ptak) für geeignet – mir hat es jedenfalls sehr gut gefallen.

Elke Bergsma begeistert mich mit ihren locker-leichten und trotzdem spannenden Krimis immer wieder. Deswegen eine Empfehlung für ihr neuestes Werk: „Zornesbrut“ (wobei alle anderen aus der Büttner-und-Hasenkrug-Reihe sich natürlich auch lohnen).

Etwas schillernd, was das Genre angeht, sind die Romane von Vanessa Mansini (alias Michael Meisheit) und bewegen sich irgendwo zwischen Liebesgeschichte und Krimi. Ich mag das sehr und empfehle die „Trixi“-Reihe „Im falschen Film“, deren Fortsetzung („Im falschen Film: 37 Stunden“) in Kürze erscheinen wird.

#autorenwahnsinn, Tag 4 – Ein sommerliches Zitat

Watt
Watt
Wer schon einmal an der Nordsee eine Wattwanderung mitgemacht hat, weiß, wie sich das anfühlt. Ich kann mich jedenfalls dafür ehrlich begeistern, und inzwischen vergeht kein Aufenthalt an der Nordsee mehr ohne Wattwanderung. Einmal bin ich sogar vom Festland bis zur Insel Baltrum gewandert – nur mit erfahrenem Wattführer selbstverständlich. Alles andere ist bodenloser Leichtsinn. Und natürlich mussten meine Erfahrungen auch in „Spätsommer auf Borkum“ einfließen:

Anne hatte viel über die Insel gelesen, versucht, sich vorzubereiten, aber das hier konnte kein Foto, kein Buch und kein Video vermitteln: die Luft, die wie Seide über ihre nackten Arme und Beine strich, den Duft der vielen Kräuter, den Blick in die Weite, und den weichen Wattboden unter den Füßen. Anne blieb ein bisschen zurück, als die Gruppe mit Marten ein Stück weiterging, und sah stattdessen aufs Meer hinaus. Vielmehr auf das, was in ein paar Stunden wieder Meer sein würde. Sie konnte in der Ferne nicht genau ausmachen, wo das Wasser anfing. Die feuchte Wattfläche glitzerte in der Sonne, und das Blau des Himmels mischte sich am Horizont mit dem bräunlich schimmernden feuchten Watt zu einer undefinierbaren Farbe im blassen Dunst. Alle Konturen verschwammen, auch die eines kleinen Segelboots, das ganz weit draußen dümpelte. Anne schloss für einen Moment die Augen. Von den Salzwiesen wehte immer noch der würzige Duft des Wermuts herüber, und weit oben kreisten irgendwo Möwen und schienen sich mit ihren Schreien zu unterhalten. Auch andere Vogelstimmen hörte sie, die sie nicht kannte. Noch nicht.

Anne öffnete die Augen wieder und sah auf ihre sandverkrusteten Füße herunter. Was für ein Genuss, wieder einmal barfuß zu gehen. Das Watt war ideal für müde Städterfüße, fest genug, nicht einzusinken, aber weich genug, um die Füße bei jedem Schritt zu massieren. Anne wackelte mit den Zehen. Erstaunlich, diese Fülle von Leben nur wenige Zentimeter unter ihren Fußsohlen. Vermutlich tummelten sich dort tausende von diesen Wattwürmern und Herzmuscheln, die seit Millionen von Jahren im immer gleichen Rhythmus von Werden und Vergehen die Natur im Gleichgewicht hielten. Fressen und gefressen werden, dachte Anne mit Blick auf eine hungrige Möwe, die mit dem Schnabel im Sand gestochert hatte und nun misstrauisch zu ihr herüber sah.

Anne bekam eine ungefähre Ahnung, wie das Leben auf der Insel sein könnte. Im Einklang mit der Natur, aber auch im Kampf gegen sie, wenn es um das eigene Überleben ging. Sturmfluten waren selten, aber wenn es sie gab, dann wüteten sie zerstörerisch.

#autorenwahnsinn, Tag 1 – Woran schreibst Du?

Ich mache mit beim „Autorenwahnsinn“. Jeden Tag, den ganzen August lang, gilt es eine andere Frage zu beantworten:

#autorenwahnsinn Tag 1: Woran schreibst du diesen Sommer?

Dummerweise schreibe ich im Moment gar nicht, sondern habe gerade erst ein Buch herausgebracht („Spätsommer auf Borkum“). Aber da ich ohnehin vorhatte, die Hintergründe des Buchs mit kleineren Artikeln ein bisschen auszuleuchten, und auch bis vor kurzem noch daran geschrieben habe, nutze ich die Vorgaben des „Autorenwahnsinns“ und verbinde beides miteinander.

„Spätsommer auf Borkum“ ist ein Buch, das aus einer Laune, einer Idee, aus dem Müßiggang des Urlaubs heraus entstanden ist. Ich kann gar nicht mehr sagen, wann sich die Idee mit den beiden Brüdern verfestigte, oder wie ich die Schauplätze ausgesucht oder die Figuren charakterisiert habe. Sicherlich haben der eine oder andere Aufenthalt auf Borkum dazu beigetragen, denn es finden sich in Handlung und Beschreibungen durchaus Dinge der Wirklichkeit wieder. Die Insel als solches sowieso, manches habe ich selbst erlebt, anderes gelesen oder in einem Youtube-Video gesehen. Manches habe ich auch schlichtweg erfunden.

Und dann geschieht das Wunderbare, dass all diese realen, gelesenen und erfundenen Dinge sich in meinem Unterbewusstsein miteinander vermischen und eine homogene Geschichte entsteht, die sich tatsächlich so abgespielt haben könnte. Und wie es oft ist bei Autoren: meine Figuren habe ich sehr liebgewonnen und konnte mich nur schwer von ihnen trennen. Das Wort „Ende“ unter dem Text ist immer ein zwiespältiges. Zum einen das euphorisierende Gefühl, wieder eine Geschichte geschafft zu haben, zum anderen bedeutet es aber auch, meine Protagonisten loszulassen.

Meine Lektorin Dorothea Kenneweg meinte, ich soll doch weiter über Borkum schreiben, vielleicht mit einer Figur, die bisher eher am Rande auftaucht. Vielleicht Heike? Oder Jelko? Bisher habe ich nur ein paar diffuse Ideen, aber wer weiß – wenn der „Autorenwahnsinn“ am 31.08. zu Ende geht – vielleicht habe ich bis dahin schon wieder ein paar Einfälle… :-)

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Borkum-Urlaubsimpressionen

 

 

 

 

 

 

 

Borkum gehört neben Juist, Norderney, Langeoog, Baltrum,  Spiekeroog und Wangerooge zu den Ostfriesischen Inseln, Borkum ist die am westlichsten gelegene und größte. Die Ostfriesischen Inseln liegen vor der Nordseeküste Niedersachsens und sind Teil des größten Wattenmeeres in der Nordsee.

Ein Wiedersehen nach langer Zeit
Ich war 1983 zuletzt auf Borkum, also vor genau 30 Jahren. Warum ich nicht schon viel eher wiedergekommen bin, kann ich im Nachhinein gar nicht mehr sagen – aber ich habe den Einheimischen versprochen, nicht mehr so lange mit dem nächsten Besuch zu warten, und dieses Versprechen gedenke ich zu halten. :-)

Was suche ich auf Borkum? Ruhe und Natur, vor allem diese beiden Dinge. Und man findet beides auch – zumindest abseits der Hauptstrände. Borkum hat sich gewandelt – von der Urlaubsinsel für vornehme Badegäste zur familienfreundlichen Ferieninsel und zugleich naturverbundenem Urlaubsziel für Individualisten. Borkum ist keine Insel der mondänen Strandbars. Wer das erwartet und seine Abendkleider ausführen möchte, möge nach Sylt ausweichen. Borkum ist handfest, praktisch, ungezwungen, ehrlich, offen und freundlich

Wer sich für einen Urlaub an der Nordsee entscheidet, weiß in der Regel, was ihn dort erwartet – oder hat zumindest eine Vorstellung davon. Die Nordsee hat ein raueres Klima als die Ostsee, die Gezeitenunterschiede sind größer, der Wind heftiger, Temperaturunterschiede können innerhalb von Sekunden gewaltig sein, je nach Sonne oder Regen und Wind. Genau das ist es aber, was den Aufenthalt an der Nordsee so gesund macht und noch lange nachwirkt: der Körper wird gefordert, abgehärtet, und wer sich Wind und Wetter stellt, hat am Ende des Tages das wohlige Gefühl, etwas geschafft zu haben. Abends dann mit einer Tasse Tee wohlig einmummeln – es gibt nichts Schöneres!

Hier die Zusammenfassung meiner eigenen Reise nach Borkum im August 2013. Ich werde versuchen, so viele Tipps wie möglich für Borkum-Interessierte zu geben, aber natürlich bleibt dieser Bericht trotzdem sehr persönlich gehalten und an meinen eigenen Vorlieben ausgerichtet. Links zu allen wichtigen Internetseiten, auf denen man die Themen vertiefen kann, füge ich am Schluss ein. Was einen auf Borkum erwartet, wie man sich vorbereitet und was man am besten mitnimmt (oder aber zu Hause lässt), was man unternehmen kann und was man sich unbedingt ansehen sollte, darum geht es in den nächsten Kapiteln.

Anreise

Die Anreise nach Borkum bedeutet, dass man entweder die Kombination Straße/Schiff, oder Bahn/Schiff oder aber eine Flugverbindung benutzt.
Auto: Bis Emden-Außenhafen (auf deutscher Seite) oder bis Eemshaven (niederländische Seite). Wenn man sein Auto nicht mit auf die Insel nehmen möchte, kann man es (kostenpflichtig) auf einem Parkplatz am Anleger abstellen.
Bahn: Mit der Bahn anzureisen, ist fast noch bequemer als mit dem Auto. Aus vielen deutschen Großstädten fahren im Zwei-Stunden-Takt Intercitys bis Emden-Außenhafen direkt zum Schiffsanleger, so dass man nur von der Bahn auf das Schiff umsteigen muss. Die Fahrkarte gilt meistens auch für das Schiff sowie die Inselbahn, die die Urlaubsgäste vom Anleger bis zum Bahnhof Borkum bringt. Die Rückreise geht in umgekehrter Reihenfolge, und wieder kann man vom Schiff direkt in die Bahn umsteigen.
Flug: Zwischen Borkum und Emden gibt es eine regelmäßige Flugverbindung, die von der Ostfriesischer-Flug-Dienst GmbH bedient wird. Eine Strecke dauert ca. 15 Minuten, Hin- und Rückflug kosten ungefähr 140 Euro (ohne Gewähr)

 

 

 

 

 

 

 

Einpacken

Auf jeden Fall von allem etwas, und möglichst Kleidung, die sich auf unterschiedlichste Weise kombinieren lässt. Am Strand sieht man kurze Hose mit Winterpullover. Oder lange Hose mit Bikinioberteil. Oder Anorak, lange Hose, aufgekrempelte Beine. Sie werden merken, dass die abenteuerlichsten Kreationen hier völlig normal aussehen! Jeder so, wie er mag.

Sehr praktisch, wenn man unterwegs ist, sind Outdoorhosen, deren Beine man mindestens ein Mal mit Reißverschluss verkürzen kann. Wer die nicht hat, sollte darauf achten, dass Hosenbeine sich gut aufkrempeln lassen. Bei einer Jeans geht das meist nicht so gut, lieber eine weite Baumwoll- oder Leinenhose ins Gepäck stecken.

Denn: Am Strand auf Borkum läuft man meistens barfuß. Zumindest im Sommer. Das ist hier nicht nur gut möglich, sondern sehr gesund und wohltuend. Abends hat man immer schöne warme Füße.

Trotzdem unbedingt mitnehmen: Outdoorschuhe, für den Sommer als Sandalen (gibt es regelmäßig sehr preiswert und gut im Discounter), Sportschuhe oder flache Leinenschuhe, für den Herbst oder Winter möglichst wasserfeste und warme Stiefel. Auf Borkum lässt sich gut wandern, es gibt sogar einen Waldlehrpfad. Für den Sommer und den Strand empfehle ich außerdem Schuhe, die auch mal nass werden dürfen, am besten Plastik-Clogs. Die sind zwar hässlich, aber praktisch. Man kann sich noch so sehr vornehmen, am Strand immer barfuß zu laufen – irgendwann kommt dann doch genau DAS Muschelfeld, in dem man sich verzweifelt eine dicke Sohle unter den nackten Füßen wünscht. Es lohnt sich kaum, schon zu Hause nach passenden Exemplaren Ausschau zu halten, man kauft sie am besten auf Borkum für ein paar Euro, denn die Auswahl ist riesig und die Preise günstiger.

Unbedingt notwendig, wenn man den ganzen Tag am Strand oder in der Natur zubringen will: Eine Umhängetasche oder Rucksack, jedenfalls etwas, das man sich so umhängen kann, dass man die Hände frei hat. Möglichst groß und strapazierfähig genug, dass mal ein Paar Schuhe hineinpasst, wenn man sie am Strand auszieht, evtl. auch noch mit Platz für eine Jacke oder einen Pullover. Oder für die Spielsachen der Kinder.

Nützlich und warm an Sommertagen, wenn plötzlich kühler Wind aufkommt: eine Jacke mit Kapuze, entweder Fleece oder Sweatjacke, für feuchte Witterung einen Anorak.
Als Sonnenschutz auf jeden Fall eine sehr gute Sonnenbrille, außerdem natürlich Sonnenmilch mit gutem Schutzfaktor. Lieber einen höheren als gewohnt mitnehmen, da die Sonnenstrahlung an der See durch Wasser und Sand verstärkt wird. Und bei dem ständigen Wind, der herrscht, merkt man die intensive Strahlung nicht so.

Wichtig, vor allem für Menschen, die am Kopf etwas windempfindlich sind: eine fest sitzende Mütze, an kühleren Tagen eine dichte Strick- oder Fleecemütze, für Sonnentage eine Schirmmütze.
Wer gerne und viel draußen ist, sollte für alle Fälle ein Taschenmesser mitnehmen (für Picknick, oder um Muscheln aufzuknacken). Wenn die Abende schön und warm genug sind, um draußen zu sitzen, empfiehlt sich ein Windlicht, außerdem ein gutes Mückenmittel, denn auch diese Plagegeister gibt es leider auf der Insel, wenn auch nicht viele.

Alles, was man an Kleidung braucht, kann man natürlich auch auf der Insel kaufen. Die Geschäfte sind auf die Bedürfnisse der Urlauber eingerichtet. Outdoorkleidung gibt es allerdings nur von den bekannten Marken und zu entsprechenden Preisen. Lieber in den Monaten vor der Reise schon bei Discountern gucken. Die Qualität ist meist sehr gut.

Wer die Natur beobachten will, sollte ein gutes Fernglas mitnehmen. An den Tüskendörsee zum Beispiel darf man nicht nahe heran, aber im Feldstecher lassen sich bei gutem Wetter hunderte zum Teil seltene Seevögel beobachten. Auch die Seehunde auf der Sandbank gegenüber des Weststrands sind mit dem Fernglas sehr gut zu sehen. Außerdem ist es natürlich immer wieder interessant, sich die vielen vorbeiziehenden Schiffe genauer anzusehen. Vom Krabbenkutter bis zum Öltanker zieht vor der Westküste Borkums alles vorbei.

Checkliste:

  • Outdoorhosen und -schuhe (Sandalen)
  • Plastiksandalen
  • Umhängetasche oder Rucksack
  • Jacke aus Fleece oder Sweat mit Kapuze oder winddichter Anorak
  • Sonnenbrille, Sonnenschutzmittel
  • Mütze
  • Windlicht
  • Taschenmesser
  • Mückenmittel
  • guter Feldstecher

 

 

 

 

 

 

 

Was macht man auf Borkum?

Man muss Sand mögen. Wirklich mögen. Denn nach wenigen Tagen hat man die winzigen Körnchen überall. Und wenn ich überall sage, meine ich das so. In den Schuhen sowieso, besonders in offenen Sandalen. In Hosentaschen. Im Rucksack. In der Duschwanne. Und schließlich auch auf dem Bettlaken. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Der Nordseesand ist so fein, dass er einfach überall hineingerät, und wenn man sich noch so in Acht nimmt. Genau das, nämlich sich pausenlos in Acht nehmen, sollte man aber nicht tun, wenn man den Aufenthalt an der Nordsee und auf Borkum genießen will.
Für die Reise sollte man mindestens eine Woche planen, besser zehn Tage. Es dauert ein bisschen, sich an das Klima, die Gezeiten und den Lebensrhythmus der Insel anzupassen. Wer nur über das Wochenende kommt, verpasst den so wichtigen Erholungseffekt, der erst nach einigen Tagen einsetzt.

Kindern kann man getrost Freiraum lassen, zumindest am Strand. Und dort laufen sie natürlich meist barfuß. Am Strand liegen weder Scherben noch Hundehaufen herum, obwohl es viele Urlauber mit Hunden gibt. Statten Sie Ihre Kinder unbedingt mit Plastik-Clogs aus (zum Herumklettern zwischen den Steinen der alten Buhnen) mit einer Schaufel (Plastik für die ganz Kleinen und Metall für die Größeren), einem Eimer und einem Netz, die es überall für kleines Geld zu kaufen gibt, und die Kinder werden den ganzen Tag beschäftigt sein. Außer, wenn sie Hunger haben. Dann kann man in einer der Strandbuden viele, viele Kleinigkeiten essen, die Auswahl ist erstaunlich groß und nicht teuer. Nehmen Sie für Ihre Kinder IMMER Ersatzkleidung mit, eine Hose und ein T-Shirt oder einen Pulli, je nach Wetter. Irgendein Malheur passiert ständig. Es gibt tatsächlich Eltern, die ihre armen Kinder am Strand in Gummistiefel stecken (im Sommer!!). Kinder sollen im Sand, in Schlick, im Schlamm wühlen, bis sie buchstäblich schwarz sind. Was Besseres und Gesünderes gibt es nicht. Hinterher kann man alles abwaschen.

Auf die Einheimischen sollte man hören! Der Schutzzaun zwischen Strand und Seehundsandbank steht da nicht ohne Grund, auch wenn das ursprünglich vorhandene Hinweisschild (Stand August 2013) nicht mehr vorhanden ist. Der Zaun dient nicht nur der Sicherheit und Ungestörtheit der Tiere, sondern auch zum eigenen Schutz. Sich mit einer Seehundmutter anzulegen, die ihr Baby bedroht sieht, empfiehlt sich wirklich nicht. Auch Hinweisschilder auf den Wanderwegen, im Watt oder in den Dünen sind unbedingt zu beachten. Der Lebensraum Wattenmeer ist einmalig auf der ganzen Welt, es gibt ihn nur hier, bei uns an der Nordseeküste, und er verdient Schutz und Rücksichtnahme.

 

 

 

 

 

 

 

Sand, Wellen, Wind

Nordsee-Urlauber wissen, dass dies nicht etwa Eintönigkeit bedeutet, sondern jeden Tag anders ist. Je nach Wetter, Temperatur, Sonnenscheindauer und Wind. Ich habe meine persönlichen Highlights der Reise zusammengestellt. Die Tipps eignen sich für fast jedes Wetter.

Der neue Leuchtturm

Der Leuchtturm auf dem kreisrunden Platz zwischen Strandstraße, Goethestraße, Hindenburgstraße und Am Neuen Leuchtturm kann besichtigt werden. Ungefähr 315 Stufen führen ganz nach oben, aber es gibt immer wieder kleine Nischen und Absätze, wo man verschnaufen und sich sogar hinsetzen kann. Zusätzlich gibt es Informationstafeln mit wissenswerten Details über den Leuchtturm, der 1879 in der Rekordzeit von nur fünf Monaten gebaut wurde und seitdem in Betrieb ist. Die Aussichtsplattform ist mit Gittern gesichert, und man hat bei schönem Wetter einen fantastischen Blick über die ganze Insel.

 

 

 

 

 

 

 

Wattwanderung

Ob man mit Albertus Akkermann, dem singenden Wattführer, loszieht, oder mit einem seiner Kollegen, Heinrich Poppinga oder Peter de Buhr, ist egal. Das Wichtigste ist, unvoreingenommen und ohne Berührungsängste mitzugehen. Es geht darum, Natur zu erleben, und wo könnte man das unmittelbarer tun als praktisch auf dem Meeresboden, der für einige Stunden trocken liegt? Jeder Wattführer hat seine eigene Art und seine eigenen Geschichten zu erzählen, immer ist es interessant und lustig, manchmal sogar spannend, und sicher wird auch das eine oder andere Seemannsgarn gesponnen. Allen ist aber die Liebe zur Natur und ihrer Insel gemeinsam, und sie werden nicht müde, das reichhaltige Leben auf, um und im Watt zu erklären und besonders die Kinder für diesen einmaligen Lebensraum zu begeistern. Bei Wanderungen ins Watt wird aus gutem Grund vor Alleingängen dringend gewarnt. Das Wasser kann schneller kommen, als man denkt, und wenn man sich nicht auskennt, wird man eingeschlossen. Es lohnt sich, ins Watt zu gehen, aber bitte nur mit einem erfahrenen Wattführer.

Rundflug

Vom Flughafen Borkum aus kann man zu Rundflügen starten, da auf Sicht geflogen wird, und wegen der Aussicht aber nur bei gutem Wetter. Es ist nicht ganz billig, aber wer ohnehin überlegt, sich die Insel von oben anzusehen, sollte es (bei schönem Wetter) unbedingt tun! Es gibt Rundflüge um Borkum, die 15 Minuten dauern und 45 Euro kosten (pro Person, Stand: August 2013). Für 100 Euro (pro Person, Stand: August 2013) dauert der Flug eine halbe Stunde und führt nicht nur zweimal um Borkum, sondern auch nach Juist und Norderney. Auf dem Weg nach Juist überfliegt man die Vogelschutzinsel Memmert und eine ganz neue kleine Insel, die gerade vor Juist entstanden ist und noch keinen Namen hat. So hat s zumindest der Pilot erzählt.

 

 

 

 

 

 

 

Der schönste Wanderweg

Die schönste Wanderung, die ich auf Borkum gemacht habe, ist durch Zufall zustande gekommen und war eine Kombination aus Radtour und Salzwiesenwanderung. Mit dem Rad am Flughafen vorbei der Ostfriesenstraße Richtung Ostland folgen bis zum Aussichtspunkt „Steernklipp“. Dort kann man das Rad abstellen, über ein paar Treppen bis oben auf die Düne steigen und hat einen fantastischen Blick auf die Umgebung. Wieder unten, das Fahrrad stehen lassen und zu Fuß den Wanderweg Richtung „Hoge Hörn“ gehen. Dieser Weg führt mitten durch die Salzwiesen und mündet nach ungefähr 2,5 Kilometern am menschenleeren Oststrand. Man kann die ganze Zeit barfuß laufen, der Untergrund ist fest oder auch sandig, es gibt zwei kleine Brücken, die Priele überqueren, da sollte man evtl. die Schuhe noch einmal kurz anziehen. Laut Hinweisschild am Beginn des Weges stehen einige Teile gelegentlich unter Wasser, daher empfiehlt sich entsprechendes Schuhwerk.

Heimatmuseum „Dykhus“

Das Museum liegt ein bisschen versteckt in der Roelof-Gerritz-Meyer-Straße (östlich des Alten Leuchtturms), aber es gibt genügend Hinweisschilder. Der Besuch bietet sich nicht nur für Regentage an. In unzähligen, liebevoll zusammengestellten Exponaten erlebt man die wechselvolle Geschichte Borkums aus einer ungewohnten Perspektive: beeindruckend nah dran. In mühevoller Kleinarbeit hat der Heimatverein eine Auswahl interessanter Ausstellungsstücke so aufbereitet, das die Lebenswelt der alten Insulaner greifbar wird – und 300 Jahre maritime Geschichte ein Gesicht bekommt. Ein liebevoll zusammengestelltes Museum, das das Leben auf der Insel in früheren Zeiten und die Entwicklung der Insel vom Fischer- und Bauerndorf zum Seebad im Nordseeklima zeigt, eingerichtet mit unzähligen Gegenständen aus Privatbesitz. Highlight ist das Skelett eines Pottwals, der vor den Ostfriesischen Inseln gestrandet war.

Die Vogelhalle zeigt die Lebenswelt des Meeres sowie mit weit über 200 Vögeln die große Vielfalt der Vogelwelt der Insel. Hunderte von Sandproben aus allen Meeren lassen erkennen, dass der Borkumer Strandsand zum schönsten Sand der Welt gehört.

Die Akkermannhalle ist der Schifffahrt, Inselgeschichte zum Seenot-Rettungswerk, Wracks, Leuchtfeuer und Schifffahrtzeichen gewidmet. Hauptstück: das große Strandrettungsboot.
Beeindruckende Details: Fundstücke von der „Cimbria“, einem Dampfschiff, das 1883 auf dem Weg nach New York vor Borkum nach einer Kollision gesunken war. Taucher brachten hunderte historische Fundstücke nach oben: Porzellanpuppen, Weinflaschen, Hummerschalen, von denen etliche in der Ausstellung zu sehen sind und wie neu aussehen.

Ein Artikel über die „Titanic von Borkum“ ist im Jahre 2001 in der „Welt“ erschienen.

 

 

 

 

 

 

 

Feuerschiff „Borkumriff“

Ein Stück deutscher Seefahrtsgeschichte – zum Selbererkunden. Die Geschichte der sogenannten „Feuerschiffe“ reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Es wurde mit zunehmendem Schiffsverkehr immer wichtiger, sicheres Fahrwasser zu kennzeichnen. An der Küste geschieht dies seit alters her mit Leuchttürmen, auf dem Wasser wurden Feuerschiffe verankert. An deutschen Küsten gab es zeitweise bis zu 40 schwimmende Leuchttürme.
Als die „Borkumriff“ 1955 in Betrieb genommen wurde, war die Ära der Feuerschiffe schon fast vorbei. Die „Borkumriff“ übernahm jedoch nicht nur die bedeutsame Position im westlichen Bereich der Deutschen Bucht, sondern fungierte darüber hinaus als Station für Wetteraufzeichnungen, an Bord gab es eine Funkstation und schließlich war das Schiff sogar eine Seenot-Rettungsstation.
Im Jahre 1988 wurde die „Borkumriff“ außer Dienst gestellt und ist jetzt im Yachthafen zu besichtigen. Nach wie vor ist das Schiff aber voll einsatzbereit, wie zum Beispiel im Sommer 2007, als es drei Wochen lang auf offener See Hauptdrehort für die Neuverfilmung „Das Feuerschiff“ war.
Vorteil für die Besucher: man kann das Schiff ganz alleine erkunden. An der Kasse bekommt man eine Schiffskarte, auf der alle wesentlichen Bestandteile und Räume genau erläutert sind. Für Kinder ist es ein Riesenspaß, auf eigene Faust das Schiff zu entdecken, auch wenn es Jungs bestimmt schwer fällt, besonders auf der Brücke das Schild „Keine Schalter anfassen!!“ zu beachten. Zu verlockend scheint es, die Funktionen auszuprobieren. Eltern sollten daher ein Auge auf sie haben. Das Schiff ist inzwischen eine Informations- und Bildungseinrichtung im Nationalpark und Weltnaturerbe Wattenmeer, außerdem ist es ein anerkanntes technisches Kulturdenkmal.

Angebote an Bord:
Rundgänge durch die verschiedenen Räume an Bord, Mannschaftsmesse, Funkraum, Brücke, Maschinenraum, Kapitänskammer und Küche, um nur einige zu nennen. Außerdem gibt es eine Ausstellung in den ehemaligen Werkräumen über Borkum als Teil des Nationalparks niedersächsisches Wattenmeer.

 

 

 

 

 

 

 

Hafencafé

Das Hafencafé „Mackie Messer“ am Yachthafen (Am Neuen Hafen 22). Öffnungszeit von 12.00 bis 15.00 Uhr. Es gibt kleine Speisen und Getränke zu günstigen Preisen. Eigentümer ist Wattführer und Buchautor Peter de Buhr, der das Café mit allerhand Krimskrams und Sammelsurium ausgestattet hat, ein Muss für jeden Fan von Seemanns-Trödel, Strandgut und schrägem Humor. Sehr angenehm: man kann das Café bei jedem Wetter besuchen. Drinnen ist es urgemütlich, und draußen sind für die Sonnenscheinstunden einige Strandkörbe aufgestellt. Es gibt keinen Verzehrzwang. Wer einfach nur eine kleine Verschnaufpause einlegen will, kann das hier in aller Ruhe tun.

 

 Meine Bildergalerie

Links zu allen relevanten Adressen in und um Borkum.

Homepage der Insel Borkum mit vielen Informationen über Veranstaltungen, Sport, Wellness, Wattwanderungen, Wetter, Unterkünfte.

Homepage von Wattführer Peter de Buhr

Alle Infos über die Insel bei Wikipedia

Online-Unterkunftsverzeichnis

Fährverkehr Borkum

Flugverbindungen Emden-Borkum

Webcams auf Borkum

Literatur:
„Meuterei auf der Berganza“, eine wahre Seeräubergeschichte. Von Peter de Buhr und Frieder Gräwemeyer, erhältlich über diese Seite:
http://www.wattwandern-borkum.de/aktuelles.html#Inhalt

Das Watt: Tiere und Pflanzen im Weltnaturerbe. Von Klaus Janke und Bruno P. Kremer

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